Ist Peak Shaving auch für mittelgroße Produktionsbetriebe wirtschaftlich sinnvoll?

Jessica Koeferl ·

Leistungsspitzen im Stromverbrauch sind für viele Produktionsbetriebe ein unterschätzter Kostenfaktor. Wer regelmäßig hohe Lastspitzen erzeugt und leistungsabhängige Netzentgelte zahlt, zahlt oft mehr als nötig – ohne es direkt zu bemerken. Dieser Artikel erklärt, wie das Prinzip des Peak Shaving funktioniert, wann es wirtschaftlich sinnvoll ist und welche Faktoren dabei eine Rolle spielen.

Hohe Leistungsspitzen kosten jeden Monat bares Geld – auch wenn es nicht direkt sichtbar ist

Viele Produktionsbetriebe zahlen einen erheblichen Teil ihrer Netzentgelte nicht für den tatsächlichen Stromverbrauch in Kilowattstunden, sondern für die höchste gemessene Leistungsspitze in einem Abrechnungszeitraum – gemessen in Kilowatt. Selbst eine einzelne kurze Spitze, die durch das gleichzeitige Anlaufen mehrerer Maschinen entsteht, kann die monatliche Abrechnung dauerhaft nach oben treiben. Wer diesen Mechanismus nicht kennt, zahlt systematisch zu viel.

Der erste Schritt zur Optimierung ist eine genaue Analyse des eigenen Lastprofils: Wann entstehen die Spitzen, wie hoch sind sie, und wie oft treten sie auf? Erst mit dieser Grundlage lässt sich beurteilen, wie groß das Einsparpotenzial tatsächlich ist.

Was ist Peak Shaving und wie funktioniert es in der Praxis?

Peak Shaving bezeichnet die gezielte Kappung von Leistungsspitzen im Stromverbrauch eines Unternehmens. Das Grundprinzip: Energie wird in Zeiten geringer Nachfrage gespeichert und genau dann wieder abgegeben, wenn der Verbrauch kurzfristig ansteigt – so wird verhindert, dass die gemessene Spitzenleistung einen bestimmten Schwellenwert überschreitet.

In der Praxis überwacht eine Energiemanagementsoftware kontinuierlich das Lastprofil des Betriebs. Zeichnet sich eine Spitze ab – etwa weil mehrere Produktionsanlagen gleichzeitig anlaufen –, greift das System automatisch ein und speist zwischengespeicherte Energie in das betriebsinterne Netz ein. Der Netzbezug bleibt unterhalb des definierten Schwellenwerts.

Dieses Verfahren wirkt sich direkt auf die leistungsabhängigen Netzentgelte aus, die sich an der höchsten gemessenen Leistung orientieren. Wird diese Spitze systematisch gekappt, sinkt die Abrechnungsgrundlage – und damit die monatlichen Kosten.

Warum sind Lastspitzen für Produktionsbetriebe ein Kostenproblem?

Lastspitzen sind teuer, weil Netzentgelte in Deutschland teilweise leistungsabhängig berechnet werden. Die höchste gemessene Leistungsspitze innerhalb eines Abrechnungszeitraums bestimmt den sogenannten Leistungspreis – unabhängig davon, wie kurz diese Spitze war oder wie niedrig der restliche Verbrauch ausfiel.

Für Industriebetriebe mit unregelmäßigen Lastprofilen bedeutet das: Eine einzige kurze Spitze – etwa durch das gleichzeitige Einschalten von Maschinen zu Schichtbeginn – kann die Netzentgelte für den gesamten Monat erhöhen. Da dieser Mechanismus in der Stromrechnung oft nicht transparent ausgewiesen wird, bleibt er vielen Betrieben lange unbemerkt.

Hinzu kommt die sogenannte atypische Netznutzung: Wer seinen Strombezug in Hochlastzeiten des öffentlichen Netzes reduziert, kann unter bestimmten Voraussetzungen von reduzierten Netzentgelten profitieren. Betriebe, die ihre Lastspitzen nicht aktiv steuern, verzichten damit auf einen weiteren Kostenvorteil.

Ungenutztes Flexibilitätspotenzial hält Energiekosten künstlich hoch

Industriebetriebe mit schwankendem Stromverbrauch verfügen häufig über ein Flexibilitätspotenzial, das sich durch intelligente Steuerung in konkreten wirtschaftlichen Nutzen verwandeln lässt. Demand Response – also die gezielte Anpassung des Stromverbrauchs an Marktsignale oder Netzbedarf – eröffnet Erlösmöglichkeiten, die viele Betriebe bisher nicht ausschöpfen.

Wer seinen Verbrauch flexibel steuern kann, hat grundsätzlich die Möglichkeit, an Regelenergiemärkten teilzunehmen und damit zusätzliche Einnahmen zu generieren. Voraussetzung dafür ist eine technische Infrastruktur, die eine schnelle und zuverlässige Reaktion auf externe Signale erlaubt. Ohne diese Grundlage bleibt das Potenzial ungenutzt.

Ab welcher Unternehmensgröße lohnt sich Peak Shaving wirtschaftlich?

Eine pauschale Mindestgröße gibt es nicht. Wirtschaftlich interessant wird Peak Shaving typischerweise ab einem Jahresstromverbrauch von etwa einer Million Kilowattstunden – sofern das Lastprofil ausgeprägte Spitzen aufweist und leistungsabhängige Netzentgelte einen relevanten Anteil der Energiekosten ausmachen.

Entscheidender als die absolute Unternehmensgröße ist die Struktur des Verbrauchs. Ein mittelgroßer Betrieb mit stark schwankenden Lasten und einem hohen Leistungsanteil in der Abrechnung profitiert möglicherweise mehr als ein größeres Unternehmen mit gleichmäßigem Verbrauchsprofil.

Praktisch relevant ist auch die Frage, ob bereits eine Photovoltaikanlage vorhanden ist. In diesem Fall lässt sich ein Speichersystem für mehrere Zwecke gleichzeitig nutzen: Lastspitzenkappung, Eigenverbrauchsoptimierung und Marktintegration. Die Kombination dieser Anwendungen verbessert die Wirtschaftlichkeit erheblich.

Welche Faktoren bestimmen die Wirtschaftlichkeit einer Speicherlösung?

Die Wirtschaftlichkeit hängt von mehreren Faktoren ab: der Höhe und Häufigkeit der Leistungsspitzen, dem aktuellen Leistungspreis im Netzentgelt, der Möglichkeit zur atypischen Netznutzung sowie dem Potenzial für zusätzliche Erlöse aus Demand Response oder Regelenergiemärkten.

Konkret relevant sind folgende Punkte:

  • Leistungspreis: Je höher der leistungsabhängige Anteil der Netzentgelte, desto größer das Einsparpotenzial durch Peak Shaving.
  • Lastprofil: Häufige und hohe Spitzen bieten mehr Optimierungspotenzial als ein gleichmäßiger Verbrauch.
  • Atypische Netznutzung: Betriebe, die ihren Verbrauch in Hochlastzeiten des Netzes reduzieren können, profitieren von zusätzlichen Entlastungen bei den Netzentgelten.
  • Marktintegration: Ein Speicher, der auch an Regelenergie- oder Spotmärkten teilnimmt, generiert zusätzliche Erlöse und verbessert die Gesamtrendite.
  • Investitionsmodell: Ob der Speicher gekauft oder im Betreibermodell betrieben wird, beeinflusst die Kapitalkosten und das Risikoprofil erheblich.

Eine belastbare Wirtschaftlichkeitsanalyse setzt eine genaue Auswertung der Lastgangdaten voraus – idealerweise über mindestens zwölf Monate. Erst dann lassen sich Spitzenhöhe, Häufigkeit und Einsparpotenzial verlässlich quantifizieren.

Kauf oder Betreibermodell – welches Modell passt zu welchem Betrieb?

Beim klassischen Kauf trägt das Unternehmen die vollständigen Investitionskosten, übernimmt die technische Verantwortung und muss den Betrieb intern sicherstellen. Im Betreibermodell hingegen investiert ein externer Anbieter in die Anlage, betreibt sie und stellt dem Unternehmen die Speicherleistung als Dienstleistung zur Verfügung – ohne Kapitalbindung auf Kundenseite.

Für mittelgroße Betriebe ist das Betreibermodell oft die pragmatischere Wahl. Batteriespeicher erfordern spezialisiertes Know-how in Planung, Netzanschluss, Genehmigung und laufendem Betrieb. Dieses Wissen ist intern selten vorhanden und teuer aufzubauen. Im Betreibermodell entfällt nicht nur die Investition, sondern auch das technische Risiko – Wartung, Softwareaktualisierungen und Systemoptimierung liegen beim Anbieter.

Ein weiterer Vorteil des Betreibermodells: Die Einsparungen sind oft direkt kalkulierbar. Der Betrieb zahlt für die Nutzung der Speicherleistung, während die Reduktion der Netzentgelte und zusätzliche Erlöse aus dem Energiemarkt die Gesamtrechnung in vielen Fällen positiv ausfallen lassen.

Wie schnell rechnet sich Peak Shaving für einen mittelgroßen Betrieb?

Im Betreibermodell ohne Eigeninvestition ist die Frage nach der Amortisationszeit weniger relevant als die nach dem monatlichen Nettovorteil. Wer eine Speicherlösung kauft, kann je nach Lastprofil und Netzentgeltstruktur typischerweise mit einer Amortisationszeit von drei bis sieben Jahren rechnen – wobei günstige Rahmenbedingungen diesen Zeitraum verkürzen.

Entscheidend für die Geschwindigkeit der Wirtschaftlichkeit sind drei Hebel: die Höhe der eingesparten Leistungskosten, mögliche Erlöse aus atypischer Netznutzung und die Einnahmen aus Demand Response oder Regelenergiemärkten. Wer alle drei Hebel gleichzeitig nutzt, erreicht eine deutlich bessere Gesamtrechnung als mit Peak Shaving allein.

Für eine belastbare Einschätzung ist eine individuelle Analyse der Lastgangdaten notwendig. Pauschale Versprechen zu Amortisationszeiten ohne Kenntnis des konkreten Verbrauchsprofils sind wenig aussagekräftig. Eine sorgfältige Datenanalyse im Vorfeld ist daher keine Option, sondern Voraussetzung für eine fundierte Entscheidung.

Wie Bnewable bei Peak Shaving und Lastspitzenoptimierung unterstützt

Für Betriebe, die die beschriebenen Potenziale konkret erschließen möchten, kann ein spezialisierter Partner den Einstieg erheblich erleichtern. Bnewable arbeitet mit energieintensiven Produktionsbetrieben zusammen und übernimmt als Komplettanbieter die gesamte Umsetzung – von der ersten Datenanalyse über Planung und Installation bis zum laufenden Betrieb der Anlage.

Das Leistungsangebot umfasst:

  • Analyse der Lastgangdaten und Identifikation des Einsparpotenzials bei Netzentgelten
  • Vollständige Planung, Genehmigung und Installation des Batteriespeichers direkt am Standort
  • Intelligente Steuerung über die Software Voltana – für Peak Shaving, Eigenverbrauchsoptimierung und Marktintegration
  • Betreibermodell ohne Investitionskosten oder technisches Risiko auf Kundenseite
  • Zugang zu Erlösen aus atypischer Netznutzung und Demand Response

Wer wissen möchte, ob sich eine Speicherlösung für den eigenen Betrieb konkret rechnet, kann über eine Projektanfrage eine individuelle Einschätzung auf Basis der eigenen Lastgangdaten erhalten.

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