Wie kann ich E-Lkws laden ohne meinen Netzanschluss auszubauen?

Die Elektrifizierung von Lkw-Flotten schreitet voran – doch viele Unternehmen stoßen beim Aufbau der Ladeinfrastruktur auf ein Problem, das sie unterschätzt haben: Der bestehende Netzanschluss ist für die neuen Lasten schlicht nicht ausgelegt. Was dann folgt, ist eine Auseinandersetzung mit Netzentgelten, Verteilnetzbetreibern und Wartezeiten, die den gesamten Flottenumstieg blockieren können.

Ein ungeplanter Netzausbau kostet Sie Zeit, die Sie nicht haben

Wer heute E-Lkw in den Fuhrpark integriert, stößt schnell auf ein praktisches Problem: Der Netzanschluss ist für die neue Ladelast nicht ausgelegt. Ein Netzausbau klingt nach einer technischen Formalität, ist es aber nicht. Anfragen beim Verteilnetzbetreiber (VNB) dauern in der Praxis oft ein bis mehrere Jahre. Wer auf eine verbindliche Zusage wartet, blockiert damit den gesamten Flottenumstieg – und riskiert, Emissionsziele oder vertragliche Verpflichtungen zu verfehlen.

Lastspitzen beim Laden treiben Ihre Netzentgelte dauerhaft nach oben

Viele Unternehmen unterschätzen, wie stark das gleichzeitige Laden mehrerer E-Lkw die Leistungsspitze im Abrechnungszeitraum beeinflusst. Netzentgelte werden in Deutschland nicht nur nach der verbrauchten Strommenge (kWh) berechnet, sondern auch nach der höchsten Leistungsspitze (kW), die im Abrechnungszeitraum auftritt. Wer fünf E-Lkw gleichzeitig mit je 150 kW lädt, erzeugt eine Spitze von 750 kW, die sich dauerhaft in der Jahresabrechnung niederschlägt.

Warum überlasten E-Lkw den Netzanschluss beim Laden?

E-Lkw ziehen beim Laden sehr hohe elektrische Leistungen, typischerweise zwischen 50 kW und 350 kW pro Fahrzeug. Wenn mehrere Fahrzeuge gleichzeitig laden, übersteigt die benötigte Gesamtleistung schnell die vertraglich vereinbarte Anschlussleistung des Betriebsgeländes. Das führt zu Lastspitzen, die den Netzanschluss überlasten und hohe Netzentgelte verursachen.

Der Netzanschluss eines Industriebetriebs ist in der Regel auf den historischen Strombedarf der Produktion ausgelegt. Ladeinfrastruktur für schwere Nutzfahrzeuge war dabei selten eingeplant. Besonders kritisch wird es, wenn Fahrzeuge nach einer Schicht gleichzeitig zurückkehren und sofort geladen werden sollen. Die Lastspitze entsteht dann konzentriert in einem kurzen Zeitfenster.

Der Verteilnetzbetreiber (VNB) ist die Stelle, die entscheidet, ob und mit welcher Leistung ein Anschluss genutzt werden darf. Er muss sicherstellen, dass das öffentliche Netz durch neue Verbraucher nicht destabilisiert wird. Reicht die bestehende Anschlussleistung nicht aus, bleibt ohne technische Gegenmaßnahme nur der Netzausbau.

Was kostet ein Netzausbau für gewerbliche Ladeinfrastruktur?

Ein Netzausbau für gewerbliche Ladeinfrastruktur kostet typischerweise zwischen 50.000 und mehreren hunderttausend Euro, abhängig von der benötigten Leistungserhöhung, der Entfernung zum nächsten Netzverknüpfungspunkt und dem Aufwand für Tiefbau und neue Trafostationen. Hinzu kommen Planungs- und Genehmigungszeiten von häufig ein bis drei Jahren.

Die Kosten setzen sich aus mehreren Positionen zusammen. Der VNB berechnet den Baukostenzuschuss, der sich nach der zusätzlich benötigten Leistung richtet. Dazu kommen Kosten für Tiefbauarbeiten, neue Kabeltrassen und gegebenenfalls eine neue Trafostation. Trafostationen sind elektrische Anlagen, die Energie aus dem Mittelspannungsnetz in nutzbare Niederspannung umwandeln. Sie sind aufwendig in Planung, Bau und Genehmigung.

Neben den direkten Investitionskosten entstehen indirekte Kosten durch den Zeitverlust. Während auf den Netzausbau gewartet wird, können E-Lkw nicht oder nur eingeschränkt betrieben werden. Für Logistikunternehmen, die Flottenumstellungen planen, bedeutet das eine direkte Verzögerung des Betriebs und mögliche Strafzahlungen bei verpassten Emissionszielen.

Welche Alternativen gibt es zum Netzausbau für E-Lkw-Flotten?

Der Netzausbau ist nicht der einzige Weg, um E-Lkw-Flotten mit ausreichend Ladeleistung zu versorgen. In der Praxis haben sich drei Ansätze etabliert, die sich je nach Standort und Betriebsstruktur unterschiedlich gut eignen – und die sich auch kombinieren lassen.

Intelligentes Lademanagement

Smart Charging verteilt die Ladevorgänge zeitlich so, dass nie alle Fahrzeuge gleichzeitig mit voller Leistung laden. Das reduziert Lastspitzen, setzt aber voraus, dass ausreichend Zeitfenster für das Laden vorhanden sind. Bei eng getakteten Schichtbetrieben mit kurzen Standzeiten stößt dieses Konzept schnell an Grenzen.

Photovoltaik als Ergänzung

Eine eigene PV-Anlage kann tagsüber Strom für die Ladeinfrastruktur liefern und den Netzbezug reduzieren. In Kombination mit einem Speichersystem lässt sich der selbst erzeugte Strom auch für Ladevorgänge außerhalb der Sonnenstunden nutzen. Als alleinige Lösung für große Flotten ist PV jedoch selten ausreichend.

Stationärer Batteriespeicher als Leistungspuffer

Ein stationärer Batteriespeicher (BESS) wird zwischen dem Netzanschluss und den Ladepunkten installiert. Er lädt sich kontinuierlich mit der verfügbaren Netzleistung auf und gibt beim Ladevorgang der Fahrzeuge Energie ab. So können kurzzeitig höhere Ladeleistungen bereitgestellt werden, als der Netzanschluss allein liefern könnte – ohne dass ein Netzausbau erforderlich ist.

Das Prinzip ist einfach: Der Netzanschluss liefert konstant eine definierte Leistung, zum Beispiel 200 kW. Der Batteriespeicher nimmt diese Leistung auf, wenn keine oder nur wenige Fahrzeuge laden. Werden mehrere E-Lkw gleichzeitig angeschlossen, gibt der Speicher zusätzliche Energie ab und überbrückt die Differenz zwischen verfügbarer Netzleistung und benötigter Ladeleistung. Eine intelligente Steuerungssoftware koordiniert dabei den Lade- und Entladebetrieb in Echtzeit und berücksichtigt Ladeplanung, Schichtzeiten sowie Netzentgeltstrukturen.

Wie groß muss ein Batteriespeicher für eine E-Lkw-Flotte sein?

Die benötigte Speichergröße hängt von der Anzahl der Fahrzeuge, der Ladeleistung pro Fahrzeug, der Gleichzeitigkeit der Ladevorgänge und der verfügbaren Netzanschlussleistung ab. Als Orientierung gilt: Der Speicher muss die Differenz zwischen benötigter Ladeleistung und verfügbarer Netzleistung über die Dauer des Ladevorgangs abdecken können.

Ein vereinfachtes Rechenbeispiel: Fünf E-Lkw laden gleichzeitig mit je 100 kW, der Netzanschluss liefert 200 kW. Die Differenz beträgt 300 kW. Dauert der Ladevorgang zwei Stunden, benötigt der Speicher eine nutzbare Kapazität von mindestens 600 kWh. In der Praxis wird ein Aufschlag für Ladeverluste und Systemreserven eingerechnet.

Neben der Kapazität (kWh) ist die Entladeleistung (kW) relevant. Der Speicher muss die Spitzenlast im Ladevorgang in Echtzeit ausgleichen können. Beide Werte müssen bei der Auslegung gemeinsam betrachtet werden. Eine professionelle Lastanalyse auf Basis realer Verbrauchsdaten ist die Grundlage für eine belastbare Dimensionierung.

Wann lohnt sich ein Batteriespeicher statt Netzausbau für E-Lkw?

Ein Batteriespeicher lohnt sich gegenüber einem Netzausbau typischerweise dann, wenn die Ladelast zeitlich konzentriert auftritt, die Investitionskosten des Netzausbaus hoch sind oder die Wartezeit auf einen Netzausbau den Betrieb verzögert. In vielen Fällen ist der Speicher schneller verfügbar und wirtschaftlich günstiger.

Entscheidend ist die Wirtschaftlichkeitsrechnung: Auf der einen Seite stehen die Kosten für den Batteriespeicher, auf der anderen die Kosten und der Zeitverlust eines Netzausbaus sowie die dauerhaft höheren Netzentgelte durch Lastspitzen. Wenn ein Betrieb regelmäßig hohe Leistungsspitzen erzeugt, spart ein Speicher durch Lastspitzenkappung bereits laufende Betriebskosten ein, die die Investition mitfinanzieren.

Weitere Faktoren, die für einen Batteriespeicher sprechen:

  • Der Netzausbau würde mehr als 12 Monate dauern und den Flottenumstieg verzögern
  • Die Ladezeiten sind planbar und auf wenige Stunden täglich konzentriert
  • Am Standort ist eine PV-Anlage vorhanden, deren Überschussenergie genutzt werden soll
  • Das Unternehmen möchte keine hohe Einmalinvestition in Netzinfrastruktur tätigen
  • Der Betrieb hat Interesse daran, zusätzliche Erlöse durch die Teilnahme am Regelenergiemarkt zu erzielen

Es gibt auch Situationen, in denen ein Netzausbau sinnvoller ist: wenn die benötigte Leistungserhöhung dauerhaft sehr hoch ist, sich die Ladezeiten nicht auf bestimmte Zeitfenster konzentrieren lassen oder langfristig weitere energieintensive Verbraucher geplant sind. In vielen Fällen ist eine Kombination aus beiden Maßnahmen die wirtschaftlich optimale Lösung.

Wie Bnewable beim Laden von E-Lkw ohne Netzausbau unterstützt

Für Unternehmen, die einen stationären Batteriespeicher als Lösung in Betracht ziehen, bietet Bnewable einen vollständigen Umsetzungsweg – von der Lastanalyse und Dimensionierung über Planung, Genehmigung und Netzanschluss bis hin zur Installation und dem laufenden Betrieb. Als Anbieter von gewerblichen Batteriespeicherlösungen übernimmt Bnewable dabei auch die Finanzierung und den Betrieb der Anlage, sodass für das Unternehmen keine Investitionskosten entstehen.

Wenn Sie prüfen möchten, ob ein Batteriespeicher für Ihre Ladeinfrastruktur wirtschaftlich sinnvoll ist, ist eine Projektanfrage der erste Schritt zu einer konkreten Einschätzung für Ihren Standort.

Ähnliche Artikel