Ein gewerblicher Fuhrpark mit zehn Elektro-Lkw benötigt typischerweise zwischen 500 und 1.500 kWh Ladekapazität pro Nacht, je nach Fahrzeugtyp, Routenprofil und Ladezeit. Die genaue Zahl hängt davon ab, wie viele Fahrzeuge gleichzeitig laden, welche Akkukapazitäten verbaut sind und wann die Ladezeiten im Betriebsablauf liegen. Die folgenden Abschnitte beantworten die wichtigsten Planungsfragen rund um Ladebedarf, Netzanschluss und Speichertechnologie.
Wie berechnet man den tatsächlichen Ladebedarf einer Elektroflotte?
Den Ladebedarf einer Elektroflotte berechnet man, indem man die täglich gefahrenen Kilometer pro Fahrzeug mit dem durchschnittlichen Energieverbrauch multipliziert und anschließend mit der Fahrzeuganzahl hochrechnet. Ein Elektro-Lkw verbraucht je nach Gewichtsklasse und Streckenprofil typischerweise zwischen 1,0 und 2,5 kWh pro Kilometer. Daraus ergibt sich der tägliche Energiebedarf, den die Ladeinfrastruktur decken muss.
Für die Praxis bedeutet das: Ein mittelgroßer Verteiler-Lkw mit 150 km Tagesleistung und 1,5 kWh/km benötigt 225 kWh pro Tag. Bei zehn solcher Fahrzeuge sind das 2.250 kWh täglich. Entscheidend ist dabei nicht nur die Gesamtmenge, sondern der Zeitraum, in dem geladen wird. Stehen alle Fahrzeuge zwischen 22 Uhr und 6 Uhr morgens, verteilen sich 2.250 kWh auf acht Stunden, was eine gleichzeitige Anschlussleistung von rund 280 kW erfordert.
Weitere Faktoren, die in die Berechnung einfließen sollten:
- Ladewirkungsgrad: Typischerweise gehen 10 bis 15 Prozent der Energie als Verlust verloren, dieser Aufschlag sollte in der Planung berücksichtigt werden.
- Reservepuffer: Unvorhergesehene Mehrfahrten oder Kälteeinbrüche erhöhen den Verbrauch, ein Puffer von 15 bis 20 Prozent ist sinnvoll.
- Gleichzeitigkeitsfaktor: Laden tatsächlich alle Fahrzeuge gleichzeitig, oder staffeln sich die Rückkehrzeiten? Letzteres reduziert die Spitzenlast erheblich.
Was bedeutet Netzanschlussleistung für die Ladeplanung?
Die Netzanschlussleistung ist die maximale elektrische Leistung in Kilowatt (kW), die ein Standort dauerhaft aus dem öffentlichen Stromnetz beziehen darf. Sie wird im Anschlussvertrag mit dem Netzbetreiber festgelegt und bestimmt, wie viel Strom gleichzeitig für alle Verbraucher am Standort zur Verfügung steht, also für Produktion, Beleuchtung, Kühlung und Ladeinfrastruktur zusammen.
Für die Ladeplanung ist die Netzanschlussleistung ein harter Grenzwert. Wenn ein Logistikstandort beispielsweise über einen 400-kW-Anschluss verfügt und bereits 250 kW im Betrieb gebunden sind, bleiben für die Ladeinfrastruktur nur 150 kW übrig. Mit 150 kW lassen sich bei Gleichzeitigkeit typischerweise drei bis fünf schwere Nutzfahrzeuge gleichzeitig laden, nicht zehn oder zwanzig.
Wer einen Fuhrpark elektrifizieren möchte, sollte deshalb frühzeitig prüfen, wie viel Reservekapazität der bestehende Netzanschluss tatsächlich bietet. Diese Zahl ist die Grundlage jeder realistischen Ladeplanung.
Warum reicht der Netzanschluss für viele Ladehubs nicht aus?
Der Netzanschluss reicht für viele Ladehubs nicht aus, weil er historisch auf den bisherigen Strombedarf des Standorts ausgelegt wurde, nicht auf den zusätzlichen Leistungsbedarf einer Elektroflotte. Elektro-Lkw ziehen beim Laden hohe Leistungen in kurzer Zeit, und wenn mehrere Fahrzeuge gleichzeitig laden, entsteht eine Lastspitze, die den bestehenden Anschluss schnell überfordert.
Hinzu kommt ein strukturelles Problem: Netzausbau dauert. Die Beantragung einer Anschlusserhöhung beim Netzbetreiber, die Genehmigung, der Bau neuer Trafostationen und die Kabelverlegung können in Deutschland zwei bis fünf Jahre in Anspruch nehmen. Für Unternehmen, die ihre Flotte in den nächsten ein bis zwei Jahren elektrifizieren wollen, ist das keine praktikable Option.
Besonders betroffen sind Standorte in Gewerbe- und Industriegebieten, wo die lokale Netzinfrastruktur bereits an Kapazitätsgrenzen stößt und der Netzbetreiber keine kurzfristige Erweiterung anbieten kann. Genau hier entsteht der Engpass, der den Markthochlauf bei der Elektrifizierung schwerer Nutzfahrzeuge in der Praxis bremst.
Wie helfen Batteriespeicher, Ladeengpässe zu überbrücken?
Batteriespeicher überbrücken Ladeengpässe, indem sie in Zeiten niedriger Netzlast Energie aus dem Netz aufnehmen und diese bei Bedarf, also wenn viele Fahrzeuge gleichzeitig laden, wieder abgeben. So kann die Ladeinfrastruktur kurzfristig mehr Leistung bereitstellen, als der Netzanschluss allein liefern könnte, ohne dass der Anschluss ausgebaut werden muss.
Ein Beispiel: Ein Standort mit 300 kW Netzanschluss und einem 500-kWh-Batteriespeicher kann abends, wenn die Betriebslast sinkt, den Speicher laden. Nachts, wenn zehn Lkw gleichzeitig zurückkehren und laden wollen, liefern Netz und Speicher gemeinsam deutlich mehr als die 300 kW Netzkapazität allein. Der Speicher wirkt wie ein Puffer, der die zeitliche Lücke zwischen Energiebedarf und Netzkapazität schließt.
Darüber hinaus ermöglichen intelligente Steuerungssysteme, den Ladevorgang dynamisch zu managen: Fahrzeuge mit dringendem Bedarf laden zuerst, andere werden zeitversetzt gestartet. Das reduziert die Gleichzeitigkeit und damit die Spitzenlast, was wiederum die Netzkosten senkt, denn Netzentgelte werden in Deutschland zum Teil auf Basis der gemessenen Lastspitze berechnet.
Wann lohnt sich ein Batteriespeicher gegenüber einem Netzausbau?
Ein Batteriespeicher lohnt sich gegenüber einem Netzausbau typischerweise dann, wenn der Netzausbau zu lange dauert, zu teuer ist oder der tatsächliche Mehrbedarf zeitlich begrenzt und ungleichmäßig verteilt ist. In den meisten Fällen ist die Kombination aus bestehendem Netzanschluss und Batteriespeicher schneller realisierbar und wirtschaftlich günstiger als eine Anschlusserhöhung.
Zeitvorteil des Batteriespeichers
Ein Batteriespeichersystem lässt sich in der Regel innerhalb von wenigen Monaten planen, genehmigen und in Betrieb nehmen. Ein Netzausbau mit neuer Trafostation und erweitertem Anschluss dauert in Deutschland im Durchschnitt deutlich länger. Für Unternehmen mit konkreten Elektrifizierungsplänen ist Zeit ein relevanter Faktor.
Wirtschaftlichkeit im Vergleich
Die Kosten für einen Netzausbau trägt in der Regel der Anschlussnehmer, also das Unternehmen selbst. Je nach Standort und erforderlicher Leistungserhöhung können das erhebliche Investitionen sein. Ein Batteriespeicher kann demgegenüber auch ohne Eigeninvestition realisiert werden, wenn er über ein Betreibermodell bereitgestellt wird, bei dem ein Dienstleister die Anlage finanziert, betreibt und wartet. Zusätzlich kann ein Speicher Erlöse durch Lastspitzenreduktion und die Teilnahme an Energiemärkten generieren, was die Wirtschaftlichkeit weiter verbessert.
Welche Ladekapazität ist für einen Logistikstandort realistisch planbar?
Für einen typischen Logistikstandort mit bestehendem Mittelspannungsanschluss und einem ergänzenden Batteriespeicher sind Ladekapazitäten von 500 kW bis mehreren Megawatt realistisch planbar. Die genaue Größe hängt vom verfügbaren Netzanschluss, der Speichergröße, dem Lademanagement und dem Betriebsprofil der Flotte ab.
Wichtig ist, zwischen installierter Ladeleistung und nutzbarer Gleichzeitigkeitsleistung zu unterscheiden. Ein Standort kann zwanzig Ladepunkte mit je 150 kW installieren, also 3.000 kW installierter Leistung. In der Praxis werden aber selten alle Punkte gleichzeitig mit Maximalleistung genutzt. Ein realistisches Lademanagement und ein gut dimensionierter Speicher ermöglichen es, die Infrastruktur deutlich kleiner und kostengünstiger auszulegen, als es die reine Summe der Ladepunkte vermuten lässt.
Für die Planung empfiehlt sich folgendes Vorgehen:
- Tatsächlichen Tagesenergiebedarf der Flotte ermitteln (kWh pro Tag)
- Rückkehr- und Ladezeiten analysieren, um den Gleichzeitigkeitsfaktor zu bestimmen
- Verfügbare Netzanschlussleistung nach Abzug des Betriebsbedarfs ermitteln
- Differenz zwischen benötigter und verfügbarer Leistung als Grundlage für die Speicherdimensionierung nutzen
- Lademanagement-Software in die Planung einbeziehen, um Lastspitzen aktiv zu reduzieren
Mit diesem Ansatz lässt sich die tatsächlich notwendige Speicher- und Netzkapazität realistisch bestimmen, ohne zu über- oder zu unterinvestieren.
Wie Bnewable bei der Elektrifizierung Ihres Fuhrparks unterstützt
Einen Fuhrpark zu elektrifizieren bedeutet mehr als Ladepunkte zu installieren. Es bedeutet, Netzkapazität, Lademanagement und Energiespeicherung so aufeinander abzustimmen, dass der Betrieb zuverlässig und wirtschaftlich läuft. Genau das ist unser Ansatz.
Als Komplettanbieter für Batteriespeicherlösungen für Logistik und Transport übernehmen wir die gesamte Wertschöpfungskette: von der Bedarfsanalyse über Planung und Genehmigung bis zum laufenden Betrieb der Anlage an Ihrem Standort. Unsere proprietäre Steuerungssoftware Voltana optimiert dabei kontinuierlich den Einsatz des Speichers, reduziert Lastspitzen und koordiniert die Ladevorgänge Ihrer Flotte intelligent.
- Kein Eigenkapital erforderlich: Wir finanzieren, bauen und betreiben die Anlage. Sie tragen kein Investitionsrisiko.
- Schnelle Umsetzung: Wir realisieren Speicherprojekte typischerweise deutlich schneller als ein konventioneller Netzausbau.
- Intelligentes Lademanagement: Voltana steuert Ladevorgänge so, dass Ihre Netzkapazität optimal genutzt wird und Netzentgelte sinken.
- Ein Ansprechpartner: Wir koordinieren alle technischen und regulatorischen Aspekte, damit Sie sich auf Ihr Kerngeschäft konzentrieren können.
Wenn Sie wissen möchten, welche Ladekapazität an Ihrem Standort realistisch planbar ist, sprechen Sie uns an. Ein Beratungsgespräch gibt Ihnen schnell Klarheit über die wirtschaftlich sinnvollste Lösung für Ihren Fuhrpark.
Ähnliche Artikel
- Warum scheitert die Ladeinfrastruktur für E-Lkw so oft am Netzanschluss?
- Was kostet Lastspitzenmanagement für ein mittelständisches Unternehmen?
- Warum gefährden steigende Energiekosten den Industriestandort Deutschland?
- Was passiert, wenn Industrieunternehmen ihre Lastspitzen nicht kontrollieren?
- Was ist der Unterschied zwischen Arbeitspreis und Leistungspreis beim Strom?





