Industrieunternehmen mit hohem und unregelmäßigem Stromverbrauch stehen vor einer gemeinsamen Herausforderung: Ihre Energiekosten werden nicht allein durch die verbrauchte Strommenge bestimmt, sondern maßgeblich durch kurze, intensive Leistungsspitzen. Branchen wie die Metall- und Stahlindustrie, die Lebensmittelproduktion, die Chemiebranche, Automobilzulieferer sowie Logistik- und Kühlzentren kennen dieses Problem gut. In diesem Artikel erklären wir, wie diese Spitzen entstehen, warum sie so kostspielig sind und welche Möglichkeiten Unternehmen haben, sie gezielt zu reduzieren.
Ungeplante Lastspitzen treiben Ihre Netzentgelte Jahr für Jahr in die Höhe
Viele Industriebetriebe zahlen einen erheblichen Teil ihrer Netzentgelte nicht für die insgesamt verbrauchte Strommenge, sondern für die höchste Leistungsspitze, die in einem Abrechnungszeitraum auftritt. Diese sogenannte leistungsgemessene Abrechnung bedeutet: Ein einzelner kurzer Moment mit besonders hohem Strombezug bestimmt die Kosten für den gesamten Monat. Wer seine Lastspitzen nicht aktiv steuert, zahlt dauerhaft mehr, als technisch notwendig wäre. Der erste Schritt ist eine genaue Analyse des eigenen Lastprofils, um zu verstehen, wann und warum Spitzen entstehen.
Was ist Peak Shaving und wie funktioniert es?
Peak Shaving bezeichnet die gezielte Kappung von Leistungsspitzen im Stromverbrauch eines Unternehmens. Das Grundprinzip besteht darin, in Phasen geringer Nachfrage Energie zwischenzuspeichern und diese in Spitzenlastmomenten wieder bereitzustellen. So wird der maximale Leistungsbezug aus dem Netz begrenzt, ohne dass der Betrieb eingeschränkt wird.
Das Prinzip ist technisch vergleichsweise einfach: Eine intelligente Steuerungssoftware überwacht kontinuierlich den aktuellen Stromverbrauch und erkennt, wenn eine Lastspitze droht. In diesem Moment wird automatisch gespeicherte Energie in das interne Netz des Unternehmens eingespeist. Der Bezug aus dem öffentlichen Stromnetz bleibt dadurch unterhalb eines definierten Schwellenwerts.
Entscheidend ist die Qualität der Steuerung. Eine rein reaktive Lösung greift erst ein, wenn die Spitze bereits entsteht. Moderne Systeme arbeiten vorausschauend und berücksichtigen Produktionspläne, historische Verbrauchsdaten und aktuelle Marktpreise. Das maximiert die Effizienz und stellt sicher, dass in jeder Situation ausreichend Pufferkapazität vorhanden ist.
Warum sind Lastspitzen für Industrieunternehmen so kostspielig?
Lastspitzen sind kostspielig, weil die Netzentgelte in Deutschland teilweise leistungsgemessen abgerechnet werden. Das bedeutet: Die höchste gemessene Leistung in einem Abrechnungszeitraum, oft ein Monat oder ein Jahr, bestimmt einen wesentlichen Teil der Netzentgeltrechnung, unabhängig davon, wie kurz diese Spitze tatsächlich andauerte.
Konkret: Wenn eine Produktionsanlage für wenige Minuten besonders viel Strom zieht, etwa weil mehrere Maschinen gleichzeitig anlaufen, kann dieser kurze Moment die Netzentgeltzahlung für den gesamten Abrechnungszeitraum erhöhen. Die tatsächlich verbrauchte Energiemenge spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Für Unternehmen mit stark schwankenden Lastprofilen ist das ein erheblicher Kostentreiber.
Hinzu kommt, dass viele Unternehmen im Mittelspannungsnetz angeschlossen sind. Dort ist die leistungsgemessene Abrechnung besonders verbreitet, und der finanzielle Hebel ist entsprechend groß. Wer seine Spitzenlast um einen relevanten Betrag senkt, reduziert seine Netzentgelte dauerhaft, nicht nur in einzelnen Monaten.
Welche Branchen profitieren am stärksten von Peak Shaving?
Am stärksten profitieren Branchen, deren Betrieb von kurzen, intensiven Strombezugsspitzen geprägt ist: die Metallverarbeitung und Stahlproduktion, die Lebensmittel- und Getränkeindustrie, die Chemie- und Kunststoffbranche, Automobilzulieferer sowie Logistik- und Kühlbetriebe. Gemeinsam ist ihnen ein hoher, unregelmäßiger Energiebedarf mit ausgeprägten Lastspitzen.
Metallverarbeitung und Stahlproduktion
Schmelzöfen, Pressen und Walzanlagen erzeugen beim Anlaufen oder bei Lastwechseln extreme Leistungsspitzen. Diese sind oft unvermeidbar, weil sie direkt mit dem Produktionsprozess zusammenhängen. Durch gezielte Pufferung dieser Spitzen lässt sich der Netzanschluss entlasten, ohne in den Prozess einzugreifen.
Lebensmittel- und Getränkeindustrie
Kälteanlagen, Pasteurisierungsanlagen und Abfülllinien laufen häufig parallel und erzeugen schwer planbare Lastprofile. Gerade bei saisonalen Produktionsspitzen, etwa in der Erntezeit oder vor Feiertagen, steigen die Leistungsspitzen erheblich an.
Chemie- und Kunststoffbranche
Reaktoren, Extruder und Druckluftsysteme zählen zu den energieintensivsten Komponenten in der Chemieproduktion. Lastspitzen entstehen hier oft durch Anfahrvorgänge oder Prozessumstellungen. Gleichzeitig bietet die Branche gute Voraussetzungen für atypische Netznutzung, also die gezielte Verlagerung von Lasten in Schwachlastzeiten.
Logistik und Kühlzentren
Kühlhäuser und Logistikzentren mit elektrischen Staplern oder Ladesystemen für Elektrofahrzeuge haben besonders unregelmäßige Lastprofile. Wenn viele Fahrzeuge gleichzeitig geladen werden, entstehen kurze, aber intensive Spitzen. Peak Shaving ist hier oft die wirtschaftlichste Lösung, bevor eine kostspielige Netzanschlusserweiterung nötig wird.
Wie viel lässt sich durch Peak Shaving an Netzentgelten einsparen?
Die Einsparung hängt von der Höhe der aktuellen Lastspitze, dem Netzentgelttarif des Verteilnetzbetreibers und dem Potenzial zur Spitzenkappung ab. In der Praxis sind Einsparungen von 15 bis 30 Prozent der leistungsgemessenen Netzentgelte realistisch, wenn die Spitzenlast gezielt und dauerhaft reduziert wird.
Eine genaue Zahl lässt sich nur auf Basis einer individuellen Lastanalyse nennen. Relevant sind dabei drei Faktoren: Wie hoch ist die aktuelle Spitzenlast in Kilowatt? Wie oft treten die Spitzen auf, und wie lange dauern sie? Und welchen Leistungspreis berechnet der zuständige Verteilnetzbetreiber pro Kilowatt Spitzenlast?
Zusätzlich zur direkten Netzentgelteinsparung kann atypische Netznutzung weitere Einsparungen ermöglichen. Dabei werden Lasten gezielt in Schwachlastzeiten des Netzes verlagert, in denen niedrigere Netzentgeltsätze gelten. Ob und in welchem Umfang das möglich ist, hängt vom Netzgebiet und den Tarifen des jeweiligen Verteilnetzbetreibers ab.
Wie unterscheidet sich Peak Shaving von anderen Energiesparmaßnahmen?
Peak Shaving zielt nicht auf eine Reduzierung des Gesamtverbrauchs ab, sondern ausschließlich auf die Kappung von Leistungsspitzen. Es ist damit eine ergänzende Maßnahme zu klassischen Energieeffizienzprogrammen. Während Effizienzmaßnahmen die verbrauchte Energiemenge senken, reduziert Peak Shaving den maximalen Leistungsbezug zu einem bestimmten Zeitpunkt.
Demand Response geht einen Schritt weiter: Dabei reagiert das Unternehmen aktiv auf Preissignale oder Netzsignale und passt seinen Verbrauch entsprechend an. Peak Shaving kann als eine Form von Demand Response verstanden werden, ist aber technisch einfacher umzusetzen, weil es keine externe Marktanbindung erfordert.
Energieeffizienzmaßnahmen wie der Austausch von Antrieben oder die Optimierung von Druckluftsystemen amortisieren sich über den reduzierten Verbrauch. Peak Shaving amortisiert sich über die Einsparung bei den Netzentgelten. Beide Ansätze schließen sich nicht aus, sondern ergänzen sich sinnvoll.
Wann lohnt sich Peak Shaving für ein Industrieunternehmen?
Peak Shaving lohnt sich typischerweise, wenn ein Unternehmen ausgeprägte, regelmäßig wiederkehrende Lastspitzen hat, im Mittelspannungsnetz angeschlossen ist und einen erheblichen Teil seiner Netzentgelte leistungsgemessen bezahlt. Je höher die Spitzenlast und je größer der Unterschied zur Durchschnittslast, desto größer das Einsparpotenzial.
Als Faustregel gilt: Wenn die Spitzenlast deutlich über der durchschnittlichen Bezugsleistung liegt und diese Spitzen nicht durch organisatorische Maßnahmen vermieden werden können, ist eine technische Lösung wirtschaftlich sinnvoll. Das ist häufig dann der Fall, wenn Produktionsprozesse zwingend gleichzeitig laufen müssen.
Auch der Netzanschluss spielt eine Rolle. Unternehmen, die ihren Netzanschluss erweitern müssten, um neue Lasten anzubinden, können durch gezielte Spitzenkappung die vorhandene Anschlusskapazität besser ausnutzen und eine kostspielige Erweiterung vermeiden.
Ob sich eine Maßnahme konkret rechnet, lässt sich nur auf Basis einer Analyse des tatsächlichen Lastprofils beurteilen. Pauschale Aussagen ohne Datenbasis sind hier wenig hilfreich.
Technische Umsetzung: Welche Lösungen gibt es?
Für die technische Umsetzung von Peak Shaving stehen grundsätzlich mehrere Ansätze zur Verfügung. Organisatorische Maßnahmen wie die zeitliche Entzerrung von Maschinenstarts sind oft ein erster sinnvoller Schritt, stoßen aber schnell an prozessbedingte Grenzen. Lastverlagerung durch flexible Produktionsplanung kann ergänzend wirken, setzt jedoch entsprechende Spielräume im Betriebsablauf voraus.
Für Unternehmen, bei denen organisatorische Maßnahmen nicht ausreichen, bieten stationäre Batteriespeichersysteme eine technisch ausgereifte Lösung. Sie ermöglichen eine präzise, automatisierte Steuerung der Spitzenlast und lassen sich zusätzlich für weitere Anwendungen nutzen, etwa zur Optimierung des Eigenverbrauchs von Photovoltaikanlagen oder zur Teilnahme an Energiemärkten.
Wie Bnewable beim Peak Shaving unterstützt
Für Unternehmen, die den nächsten Schritt gehen möchten, bietet Bnewable ein schlüsselfertiges Modell zur Umsetzung von Peak Shaving mit Batteriespeichern. Dabei übernimmt Bnewable die gesamte Umsetzung, von der Lastanalyse über Planung und Genehmigung bis zum laufenden Betrieb, ohne dass das Unternehmen selbst investieren muss.
- Keine Investitionskosten: Bnewable finanziert, plant und baut den Batteriespeicher auf Ihrem Gelände. Sie tragen kein Investitionsrisiko.
- Intelligente Steuerung: Die proprietäre Software Voltana steuert den Speicher kontinuierlich und optimiert ihn für Peak Shaving, PV-Eigenverbrauch und Marktintegration.
- Vollständige Projektverantwortung: Planung, Genehmigung, Netzanschluss und Inbetriebnahme werden vollständig übernommen. Ihr Betrieb läuft während der gesamten Umsetzungsphase ungestört weiter.
- Zusätzliche Erlöse: Wo sinnvoll, wird der Speicher in Energiemärkte eingebunden, sodass neben der Kostensenkung auch Erlöse aus Demand Response oder Regelenergie erzielt werden können.
Wenn Sie wissen möchten, wie hoch das Einsparpotenzial in Ihrem Betrieb konkret ist, analysiert Bnewable Ihr Lastprofil und zeigt Ihnen, was in Ihrem spezifischen Fall möglich ist. Für eine erste Einschätzung stehen wir Ihnen gerne für eine Projektanfrage zur Verfügung.
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