Was ist Peak Shaving und wie funktioniert es in der Industrie?

Lastspitzen im Stromverbrauch sind für viele Industrieunternehmen ein unterschätzter Kostenfaktor. Wer seinen Energiebedarf nicht aktiv steuert, zahlt oft deutlich mehr als nötig – nicht weil er zu viel Strom verbraucht, sondern weil er ihn im falschen Moment bezieht. Dieser Artikel erklärt, wie Lastspitzen entstehen, warum sie so teuer sind und welche Möglichkeiten Unternehmen haben, ihre Energiekosten gezielt zu senken.

Ungeplante Lastspitzen treiben Ihre Netzentgelte dauerhaft in die Höhe

Viele Industrieunternehmen zahlen einen Teil ihrer Netzentgelte nicht nach verbrauchter Strommenge, sondern nach der höchsten gemessenen Leistungsspitze innerhalb eines Abrechnungszeitraums. Selbst eine einzelne kurze Spitze, etwa durch das gleichzeitige Anlaufen mehrerer Maschinen, kann die gesamte Kostenstruktur für Wochen oder Monate belasten. Der erste Schritt zur Kostensenkung ist daher, das eigene Lastprofil systematisch zu analysieren und zu verstehen, wann und warum diese Spitzen entstehen.

Ohne aktive Steuerung bleibt Ihr Einsparpotenzial bei Netzentgelten ungenutzt

Wer seinen Stromverbrauch nicht aktiv steuert, hat keinen Einfluss auf die Höhe seiner Leistungsspitzen. Viele Betriebe wissen zwar, dass sie hohe Netzentgelte zahlen, haben aber keine Transparenz darüber, welche Prozesse oder Anlagen die Spitzen verursachen. Intelligente Energiemanagementsysteme schaffen hier Abhilfe: Sie messen den Verbrauch in Echtzeit, erkennen kritische Lastsituationen frühzeitig und können automatisiert gegensteuern, bevor eine Spitze entsteht oder sich verschärft.

Was ist Peak Shaving und was bedeutet es für Industrieunternehmen?

Peak Shaving bezeichnet die gezielte Kappung von Lastspitzen im Stromverbrauch. Ziel ist es, den Bezug aus dem öffentlichen Netz in Momenten hoher Nachfrage zu begrenzen, sodass die gemessene Leistungsspitze sinkt. Für Industrieunternehmen ist das besonders relevant, weil ein erheblicher Teil ihrer Netzentgelte direkt von dieser gemessenen Spitze abhängt.

In Deutschland setzen sich die Netzentgelte aus zwei Komponenten zusammen: einem arbeitsbezogenen Anteil, der sich nach der verbrauchten Strommenge in Kilowattstunden richtet, und einem leistungsbezogenen Anteil, der auf der höchsten gemessenen Leistung in Kilowatt basiert. Genau dieser leistungsbezogene Anteil ist für viele energieintensive Betriebe ein erheblicher Kostentreiber.

Peak Shaving setzt direkt an diesem Kostentreiber an. Indem die maximale Leistungsspitze gekappt wird, sinkt der Messwert, der für die Berechnung der leistungsbezogenen Netzentgelte herangezogen wird. Das Ergebnis ist eine dauerhaft niedrigere Stromrechnung, ohne dass Produktionsprozesse eingeschränkt werden müssen.

Warum zahlen Industrieunternehmen so viel für Lastspitzen?

Industrieunternehmen zahlen hohe Kosten für Lastspitzen, weil die Netzentgelte in Deutschland einen leistungsabhängigen Bestandteil enthalten. Netzbetreiber berechnen diesen Anteil auf Basis der höchsten gemessenen Leistung innerhalb eines Abrechnungszeitraums, typischerweise eines Kalendermonats oder eines Viertelstundenmittelwerts. Eine einzige kurze Spitze kann die gesamte Abrechnung bestimmen.

Das Netz muss so ausgebaut sein, dass es auch die höchsten Lastspitzen aller angeschlossenen Verbraucher gleichzeitig bedienen kann. Diese Vorhalteleistung kostet Geld, und der leistungsbezogene Anteil der Netzentgelte ist das Instrument, mit dem Netzbetreiber diese Kosten auf die Nutzer umlegen.

Für Produktionsbetriebe entsteht das Problem häufig durch den parallelen Betrieb energieintensiver Anlagen: Wenn Pressen, Kompressoren, Kühlanlagen oder Schweißanlagen gleichzeitig anlaufen, summieren sich die Einzellasten zu einer Spitze, die weit über dem normalen Verbrauchsniveau liegt. Diese Spitze wird gemessen, und auf ihrer Basis wird ein erheblicher Teil der Netzentgelte berechnet – unabhängig davon, wie kurz sie war.

Was ist der Unterschied zwischen Peak Shaving und Load Shifting?

Peak Shaving reduziert die maximale Leistungsspitze im Netzbezug, um leistungsabhängige Netzentgelte zu senken. Load Shifting, auf Deutsch Lastverschiebung, verlagert den Stromverbrauch zeitlich in günstigere Perioden, um arbeitsbezogene Energiekosten zu senken. Beide Ansätze ergänzen sich, verfolgen aber unterschiedliche Ziele.

Beim Peak Shaving geht es primär um die Leistung in Kilowatt. Das Ziel ist, einen bestimmten Leistungswert nicht zu überschreiten – unabhängig davon, zu welcher Tageszeit die Spitze auftritt.

Load Shifting hingegen zielt auf die Strommenge in Kilowattstunden und deren zeitliche Verteilung ab. Energieintensive Prozesse werden in Zeiten mit niedrigen Börsenstrompreisen oder hoher eigener Erzeugung verlagert. Demand Response ist ein verwandtes Konzept: Dabei reagiert ein Unternehmen auf externe Preissignale oder Netzsignale und passt seinen Verbrauch entsprechend an, um Kosten zu sparen oder Erlöse aus der Flexibilität zu erzielen.

In der Praxis lassen sich beide Strategien miteinander kombinieren. Ein intelligentes Steuerungssystem kann gleichzeitig Lastspitzen kappen und den Energiebezug in günstige Preisstunden verlagern, was den wirtschaftlichen Nutzen beider Ansätze miteinander verbindet.

Für welche Unternehmen lohnt sich Peak Shaving besonders?

Peak Shaving lohnt sich besonders für Unternehmen mit hohem Strombezug, stark schwankenden Lastprofilen und einem hohen Anteil leistungsabhängiger Netzentgelte an der Gesamtstromrechnung. Typischerweise sind das Produktionsbetriebe, Logistikzentren, Gießereien, Rechenzentren und Unternehmen mit energieintensiver Kühlung oder Drucklufterzeugung.

Ein weiteres Kriterium ist die Differenz zwischen der durchschnittlichen Last und den Spitzenwerten. Je größer diese Differenz, desto mehr Potenzial besteht, die gemessene Maximalleistung zu senken. Unternehmen mit einem gleichmäßigen, planbaren Verbrauch profitieren weniger, weil ihre Lastspitzen ohnehin gering sind.

Auch die atypische Netznutzung ist in diesem Zusammenhang relevant. Unternehmen, die einen erheblichen Teil ihrer Energie außerhalb der Hochlastzeiten des Netzes beziehen, können von reduzierten Netzentgelten profitieren. Peak Shaving kann dazu beitragen, die eigene Netznutzung gezielt in diese atypischen Zeiten zu verlagern oder zumindest die Spitzen in Hochlastzeiten zu begrenzen. Ob und in welchem Umfang atypische Netznutzung für ein Unternehmen anwendbar ist, hängt von den spezifischen Regelungen des zuständigen Netzbetreibers ab und sollte im Einzelfall geprüft werden.

Wie kann ein Unternehmen mit Peak Shaving starten?

Der Einstieg in Peak Shaving beginnt mit einer gründlichen Analyse des eigenen Lastprofils. Auf dieser Basis lässt sich berechnen, welche Einsparungen realistisch erreichbar sind und welche technischen Maßnahmen dafür notwendig wären. Die wichtigsten Schritte im Überblick:

  1. Lastprofil analysieren: Verbrauchsdaten aus dem Zähler oder dem eigenen Energiemanagementsystem auswerten, um Zeitpunkt, Höhe und Häufigkeit von Lastspitzen zu verstehen.
  2. Einsparpotenzial berechnen: Auf Basis der aktuellen Netzentgelte und des Lastprofils lässt sich abschätzen, wie stark die Leistungsspitze gesenkt werden müsste und welche Kosteneinsparung das bedeutet.
  3. Maßnahmen dimensionieren: Die notwendige Kapazität und Leistung einer technischen Lösung hängen von Höhe und Dauer der Lastspitzen sowie von weiteren geplanten Nutzungen ab.
  4. Genehmigungen einholen: Technische Anlagen zur Laststeuerung müssen beim zuständigen Verteilnetzbetreiber angemeldet und genehmigt werden. Dazu gehören Netzanschlusskonzept, Messkonzept und Schutzkonzept.
  5. System installieren und in Betrieb nehmen: Nach der Genehmigung erfolgen Installation, Inbetriebnahme und Integration in das Energiemanagementsystem des Standorts.

Der Genehmigungsprozess beim Netzbetreiber ist oft der zeitlich aufwendigste Schritt. Unternehmen, die diesen Prozess nicht selbst durchführen möchten oder können, arbeiten häufig mit spezialisierten Dienstleistern zusammen, die die gesamte Prozesskette übernehmen.

Welche Rolle spielt ein Batteriespeicher beim Peak Shaving?

Eine der wirksamsten technischen Lösungen für Peak Shaving ist der Einsatz eines stationären Batteriespeichers. Das Prinzip: Der Speicher lädt sich in Phasen mit geringer Last auf und gibt Energie gezielt in Momenten hoher Nachfrage ab. So wird verhindert, dass der Strombezug aus dem Netz einen definierten Leistungswert überschreitet – ohne dass Produktionsprozesse unterbrochen werden müssen.

Entscheidend für die Wirksamkeit ist ein intelligentes Energiemanagementsystem (EMS), das den Verbrauch in Echtzeit überwacht. Es erkennt, wann eine Lastspitze droht, und aktiviert den Speicher rechtzeitig, bevor der kritische Schwellenwert überschritten wird. Ohne diese Steuerungsebene wäre eine präzise Kappung der Spitzen nicht möglich.

Der Batteriespeicher wird dabei typischerweise hinter dem Zähler des Kunden installiert, im sogenannten Behind-the-Meter-Konzept. Das bedeutet: Der Speicher ist Teil der Kundenanlage, und die Energie, die er abgibt, wird nicht über den Hauptzähler erfasst. Damit sinkt der gemessene Netzbezug in Spitzenmomenten direkt und messbar.

Neben der Lastspitzenkappung kann ein gut dimensionierter Batteriespeicher gleichzeitig weitere Funktionen übernehmen, etwa die Maximierung des Eigenverbrauchs von Photovoltaikstrom oder die Teilnahme an Energiemärkten. Diese Mehrfachnutzung verbessert die Wirtschaftlichkeit des Systems insgesamt und macht Batteriespeicher zu einer zunehmend attraktiven Option für energieintensive Unternehmen.

Wie Bnewable beim Peak Shaving unterstützt

Wer Peak Shaving umsetzen möchte, steht vor einer Reihe praktischer Herausforderungen: von der Lastprofilanalyse über die technische Dimensionierung bis hin zum Genehmigungsprozess beim Netzbetreiber. Bnewable begleitet Industrieunternehmen als Komplettanbieter für Batteriespeicher in der Industrie durch diesen gesamten Prozess – von der ersten Analyse bis zum laufenden Betrieb.

  • Lastprofilanalyse und Wirtschaftlichkeitsberechnung: Wir analysieren Ihr Verbrauchsprofil und zeigen Ihnen konkret, welches Einsparpotenzial durch Peak Shaving bei Ihnen realistisch erreichbar ist.
  • Vollständige Projektentwicklung: Von der Dimensionierung des Speichers über den Netzanschluss bis zur Genehmigung beim Verteilnetzbetreiber übernehmen wir jeden Schritt.
  • Kein Investitionsrisiko: Sie tragen keine Investitionskosten und kein Betriebsrisiko. Wir finanzieren, bauen und betreiben die Anlage an Ihrem Standort.
  • Intelligente Steuerung mit Voltana: Unsere proprietäre Software steuert den Batteriespeicher in Echtzeit, kappt Lastspitzen automatisch und optimiert gleichzeitig den Eigenverbrauch sowie die Teilnahme an Energiemärkten.
  • Ein Ansprechpartner: Sie haben einen zentralen Kontakt für die gesamte Lösung – von der ersten Analyse bis zum laufenden Betrieb.

Wenn Sie wissen möchten, welches Einsparpotenzial Peak Shaving für Ihren Standort hat, sprechen Sie uns gerne an oder stellen Sie direkt eine Projektanfrage.

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