Die Netzanschlussleistung gibt an, welche maximale elektrische Leistung ein Unternehmen gleichzeitig aus dem öffentlichen Stromnetz beziehen oder in dieses einspeisen darf. Sie wird in Kilowatt (kW) oder Megawatt (MW) angegeben und ist vertraglich mit dem zuständigen Verteilnetzbetreiber (VNB) festgelegt. Für Industrieunternehmen bestimmt sie, wie viel Strom im Betrieb gleichzeitig verfügbar ist, und hat direkten Einfluss auf Netzentgelte und Betriebskosten.
Was ist Netzanschlussleistung und warum ist sie wichtig?
Die Netzanschlussleistung ist die vertraglich vereinbarte Maximalleistung, die ein Anschlussnehmer am Netzanschlusspunkt gleichzeitig aus dem öffentlichen Netz beziehen oder einspeisen darf. Sie definiert die Kapazitätsgrenze des Stromanschlusses und bildet die Grundlage für Netzentgelte, Anschlusskosten und die Dimensionierung technischer Anlagen.
Für Industrieunternehmen ist die Netzanschlussleistung aus mehreren Gründen relevant. Erstens bestimmt sie, wie viele Verbraucher gleichzeitig betrieben werden können. Zweitens fließt sie in die Berechnung der Netzentgelte ein. Drittens ist sie Voraussetzung für jede Erweiterung des Betriebs, etwa durch neue Produktionsanlagen oder den Anschluss zusätzlicher Erzeugungs- und Speicheranlagen.
Zuständig für die Genehmigung und Festlegung der Netzanschlussleistung ist der Verteilnetzbetreiber (VNB). Er entscheidet, wo und mit welcher Leistung ein Unternehmen an das Netz angeschlossen wird, und zwar sowohl für den Strombezug als auch für eine eventuelle Einspeisung. Wer seine Netzanschlussleistung ändern möchte, muss dies beim VNB beantragen und in der Regel technische Unterlagen einreichen.
Wie wird die Netzanschlussleistung berechnet?
Die Netzanschlussleistung wird auf Basis der zu erwartenden maximalen Gleichzeitigkeitsleistung aller angeschlossenen Verbraucher berechnet. Dabei werden die Nennleistungen der einzelnen Anlagen addiert und mit einem Gleichzeitigkeitsfaktor gewichtet, der berücksichtigt, dass nicht alle Verbraucher zur selben Zeit mit Volllast laufen.
Technisch wird die Leistung im Drehstromnetz über die Scheinleistung (S) berechnet. Die relevante Formel lautet: I = S / (3 × U), wobei I die Stromstärke, S die Scheinleistung und U die Spannung ist. Der Faktor 3 ergibt sich aus der 120-Grad-Phasenverschiebung im Drehstromsystem. Für dieselbe übertragene Leistung von beispielsweise 5 MVA ergibt sich im Niederspannungsnetz (400 V) eine Stromstärke von rund 7.200 Ampere, während im Mittelspannungsnetz (20.000 V) lediglich etwa 144 Ampere fließen. Das zeigt, warum größere Industriebetriebe häufig direkt am Mittelspannungsnetz angeschlossen werden: Mit höherer Spannung lässt sich dieselbe Leistung mit deutlich geringerem Strom übertragen.
Bei der Antragstellung beim Netzbetreiber sind neben der installierten Leistung (Pinst) weitere Angaben erforderlich, darunter die Anschluss-Spannungsebene, Informationen zu vorhandenen Blindleistungskompensationsanlagen sowie technische Daten zu Wechselrichtern, sofern eine Erzeugungsanlage angeschlossen werden soll. Die Berechnung sollte von einem Fachplaner durchgeführt werden, da Fehler zu einer Unterversorgung oder unnötig hohen Anschlusskosten führen können.
Was ist der Unterschied zwischen Netzanschlussleistung und Leistungsspitze?
Die Netzanschlussleistung ist die vertraglich festgelegte Obergrenze des Stromanschlusses. Die Leistungsspitze (auch Lastspitze genannt) ist der tatsächlich gemessene Höchstwert des Stromverbrauchs in einem bestimmten Zeitraum, typischerweise im 15-Minuten-Intervall. Beide werden in Kilowatt (kW) angegeben, haben aber unterschiedliche Funktionen und Kostenfolgen.
Die Netzanschlussleistung definiert, was technisch maximal möglich ist. Die Leistungsspitze zeigt, was im Betrieb tatsächlich abgerufen wurde. Liegt die gemessene Leistungsspitze dauerhaft weit unter der vereinbarten Netzanschlussleistung, zahlt das Unternehmen möglicherweise für eine Kapazität, die es nicht benötigt. Liegt sie regelmäßig nahe an der Grenze oder überschreitet sie diese, kann das zu Problemen mit dem Netzbetreiber und zu zusätzlichen Kosten führen.
Für die Abrechnung der Netzentgelte ist die gemessene Leistungsspitze in vielen Tarifen der entscheidende Wert. Nicht die Gesamtstrommenge, sondern der höchste Leistungswert im Abrechnungszeitraum bestimmt einen erheblichen Teil der Netzentgeltrechnung. Deshalb lohnt es sich, Lastspitzen aktiv zu steuern, unabhängig davon, wie hoch die vertraglich vereinbarte Netzanschlussleistung ist.
Wie beeinflusst die Netzanschlussleistung die Energiekosten?
Die Netzanschlussleistung beeinflusst die Energiekosten auf zwei Wegen: Erstens bestimmt sie die Grundlage für die Berechnung von Anschluss- und Bereitstellungsentgelten. Zweitens bildet die tatsächlich gemessene Leistungsspitze, die durch den Anschluss ermöglicht wird, die Basis für den leistungsabhängigen Teil der Netzentgelte.
In der Praxis zahlen viele Industrieunternehmen einen sogenannten Leistungspreis, der sich nach der höchsten gemessenen Leistung in einem Abrechnungszeitraum richtet. Dieser Wert wird typischerweise als Mittelwert über ein 15-Minuten-Intervall erfasst. Tritt eine Spitze nur einmal im Monat auf, gilt sie dennoch als Bemessungsgrundlage für den gesamten Abrechnungszeitraum. Das bedeutet: Eine einzige kurze Hochlastphase kann die Netzentgeltrechnung spürbar erhöhen.
Hinzu kommen Kosten, die direkt mit der Größe des Netzanschlusses zusammenhängen. Ein höher dimensionierter Anschluss erfordert aufwendigere technische Infrastruktur, was sich in den einmaligen Anschlusskosten und laufenden Grundentgelten niederschlägt. Wer seinen Anschluss unnötig groß dimensioniert, trägt dauerhaft höhere Fixkosten, ohne davon betrieblich zu profitieren.
Eine zu niedrig angesetzte Netzanschlussleistung bremst Ihren Betrieb
Wenn die vertraglich festgelegte Netzanschlussleistung nicht zum tatsächlichen Bedarf passt, entstehen Probleme: Entweder ist der Anschluss zu knapp bemessen und limitiert den gleichzeitigen Maschinenbetrieb, oder er ist zu großzügig ausgelegt und verursacht unnötige Fixkosten. Viele Produktionsbetriebe haben ihre Netzanschlussleistung einmalig bei der Betriebsgründung festgelegt und seitdem nie angepasst. Eine regelmäßige Überprüfung anhand aktueller Lastprofile zeigt, ob der Anschluss noch zur Betriebsrealität passt.
Hohe Leistungsspitzen treiben Ihre Netzentgelte nach oben
In vielen Industrietarifen zahlen Unternehmen nicht nur für die verbrauchte Strommenge in Kilowattstunden, sondern auch für die höchste gemessene Leistungsspitze in einem Abrechnungszeitraum. Eine einzige kurze Spitze, etwa durch das gleichzeitige Anlaufen mehrerer Maschinen, kann die Netzentgeltrechnung für den gesamten Monat erhöhen. Wer diese Leistungsspitzen gezielt senkt, reduziert die Kosten dauerhaft, ohne den Betrieb einzuschränken.
Wann sollte man die Netzanschlussleistung überprüfen oder anpassen?
Eine Überprüfung der Netzanschlussleistung ist sinnvoll, wenn sich der Energiebedarf des Unternehmens wesentlich verändert hat, etwa durch neue Produktionsanlagen, den Aufbau einer Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge oder die Integration neuer Erzeugungs- und Speichertechnologien. Auch wenn die gemessenen Leistungsspitzen dauerhaft weit unter dem vereinbarten Anschlusswert liegen, lohnt sich eine Überprüfung.
Typische Anlässe für eine Anpassung sind:
- Erweiterung oder Modernisierung der Produktionsanlagen
- Installation einer Photovoltaikanlage oder anderer Erzeugungsanlagen
- Aufbau von Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge oder Gabelstapler
- Dauerhafter Rückgang des Energiebedarfs durch Effizienzmaßnahmen
- Wechsel der Produktionsprozesse mit verändertem Lastprofil
Für eine Anpassung ist ein formeller Antrag beim zuständigen Verteilnetzbetreiber erforderlich. Dieser prüft die technische Machbarkeit und gibt die Einstellwerte für Schutz- und Messkonzepte vor. Eine sorgfältige Dokumentation der geplanten Anlage, einschließlich Messkonzept und Schutzkonzept im Übersichtsschaltplan (SLD), beschleunigt das Genehmigungsverfahren erheblich.
Wie lassen sich Lastspitzen senken, ohne die Netzanschlussleistung zu erhöhen?
Wer Lastspitzen reduzieren möchte, ohne seinen Netzanschluss kostenpflichtig zu erweitern, hat verschiedene Möglichkeiten. Der erste Ansatz ist organisatorischer Natur: Durch die zeitliche Staffelung energieintensiver Prozesse lassen sich simultane Leistungsspitzen vermeiden, ohne in neue Technik investieren zu müssen. Anlaufvorgänge von Maschinen, die bisher gleichzeitig starteten, können beispielsweise versetzt werden.
Weitere Maßnahmen zur Reduzierung von Lastspitzen umfassen:
- Zeitliche Verschiebung energieintensiver Prozesse in Zeiten geringerer Grundlast
- Staffelung von Anlaufvorgängen, um simultane Leistungsspitzen zu vermeiden
- Einsatz von Energiemanagementsystemen (EMS), die den Verbrauch in Echtzeit überwachen und steuern
- Nutzung von selbst erzeugtem PV-Strom zur Deckung von Spitzenlast
Für Betriebe mit komplexen oder schwer planbaren Lastprofilen stoßen rein organisatorische Maßnahmen jedoch schnell an ihre Grenzen. Hier kommen technische Lösungen ins Spiel: Ein Energiemanagementsystem (EMS) überwacht den Verbrauch in Echtzeit und kann steuerbare Verbraucher automatisch regeln. In einem weiteren Schritt ermöglichen stationäre Batteriespeicher das sogenannte Peak Shaving: Sie werden in Zeiten geringer Auslastung geladen und geben ihre Energie gezielt ab, sobald der Verbrauch eine definierte Schwelle zu überschreiten droht. So lässt sich die gemessene Leistungsspitze dauerhaft unter dem abrechnungsrelevanten Schwellenwert halten – ohne Einschränkungen im Betriebsablauf.
Netzanschlussleistung und Lastspitzenoptimierung: Wo Bnewable unterstützen kann
Für Unternehmen, die ihre Netzanschlussleistung besser ausnutzen und Lastspitzen dauerhaft reduzieren möchten, kann ein spezialisierter Partner den Einstieg erheblich erleichtern. Bnewable unterstützt Industrieunternehmen mit Batteriespeicherlösungen für die Industrie, die ohne Eigeninvestition und ohne internen Betriebsaufwand realisiert werden können. Das umfasst die Analyse des betrieblichen Lastprofils, die Planung und Genehmigung beim Verteilnetzbetreiber sowie den laufenden Betrieb inklusive intelligenter Steuerungssoftware für kontinuierliches Peak Shaving.
Wenn Sie wissen möchten, ob und in welchem Umfang sich Einsparpotenziale bei den Netzentgelten in Ihrem Betrieb heben lassen, können Sie jetzt eine Projektanfrage stellen. Gemeinsam lässt sich prüfen, welche Maßnahmen zu Ihrem Standort und Lastprofil passen.
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