Industrieunternehmen zahlen Netzentgelte nicht nur für die verbrauchte Strommenge in Kilowattstunden, sondern auch für die höchste Leistungsspitze in Kilowatt, die in einem Abrechnungszeitraum gemessen wird. Dieser leistungsbasierte Anteil der Netzentgelte, der sogenannte Leistungspreis, kann einen erheblichen Teil der gesamten Stromrechnung ausmachen und steigt mit jeder unkontrollierten Lastspitze im Betrieb. Dieser Artikel erklärt, wie das System funktioniert, was Lastspitzen verursacht und welche Möglichkeiten Unternehmen haben, ihre Netzentgeltkosten gezielt zu senken.
Unkontrollierte Lastspitzen treiben Ihre Stromrechnung in die Höhe, ohne dass Sie mehr Strom verbrauchen
Viele Produktionsbetriebe zahlen deutlich mehr für ihr Netz als nötig, weil eine einzige Leistungsspitze im Monat den gesamten Leistungspreisanteil der Abrechnung bestimmt. Es spielt dabei keine Rolle, ob diese Spitze nur 15 Minuten lang auftritt. Das Ergebnis: Ein kurzer Moment, in dem mehrere Maschinen gleichzeitig anlaufen, kann die Netzentgeltrechnung für den gesamten Monat nach oben treiben. Wer sein Lastprofil kennt und aktiv steuert, kann diesen Effekt gezielt begrenzen – zum Beispiel durch zeitlich versetzte Anfahrprozesse oder durch technische Maßnahmen zur Lastspitzenkappung, auch bekannt als Peak Shaving.
Wer Netzentgelte nur als fixen Kostenpunkt behandelt, lässt dauerhaft Geld liegen
Netzentgelte gelten in vielen Unternehmen als unveränderliche Nebenkosten, ähnlich wie Miete oder Versicherungen. Das ist ein Irrtum. Die Netzentgeltstruktur enthält mehrere Stellschrauben, darunter den Leistungspreis, den Arbeitspreis und unter bestimmten Voraussetzungen auch die Möglichkeit der atypischen Netznutzung, bei der Unternehmen durch gezielte Lastverlagerung Vergünstigungen erhalten können. Wer diese Mechanismen versteht und sein Verbrauchsverhalten entsprechend anpasst, kann die Netzentgeltbelastung strukturell senken. Der erste Schritt ist eine genaue Analyse des eigenen Lastprofils.
Was sind Netzentgelte und wie werden sie berechnet?
Netzentgelte sind Gebühren, die Unternehmen für die Nutzung des Stromnetzes zahlen. Sie setzen sich aus einem Arbeitspreis (pro verbrauchter Kilowattstunde) und einem Leistungspreis (pro Kilowatt Spitzenlast) zusammen. Hinzu kommen Messgebühren und gegebenenfalls weitere Komponenten. Die genaue Höhe legt der zuständige Verteilnetzbetreiber (VNB) fest, der das lokale Stromnetz betreibt und reguliert.
Der Verteilnetzbetreiber ist die zentrale Instanz im Netzentgeltgefüge. Er betreibt das Strom- und Gasnetz zur Verteilung an Endkunden und legt fest, mit welcher Leistung ein Anschluss genutzt werden darf. Die Netzentgelte finanzieren den Betrieb, den Ausbau und die Instandhaltung dieser Infrastruktur.
Die Berechnung des Leistungspreises basiert auf dem sogenannten Jahresleistungsmaximum, also der höchsten gemessenen Leistungsabnahme innerhalb eines Jahres oder eines Abrechnungszeitraums. Dieser Wert wird mit einem festgelegten Leistungspreis in Euro pro Kilowatt multipliziert. Je höher die gemessene Spitzenlast, desto höher der Leistungspreisanteil der Netzentgeltrechnung.
Warum zahlen Industrieunternehmen für Leistungsspitzen statt nur für Verbrauch?
Industrieunternehmen zahlen für Leistungsspitzen, weil das Stromnetz auf die maximale Nachfrage ausgelegt sein muss, nicht auf den Durchschnittsbedarf. Der Verteilnetzbetreiber dimensioniert Leitungen, Transformatoren und Schaltanlagen so, dass sie auch in Spitzenmomenten ausreichend Kapazität bereitstellen. Diese Vorhaltung von Kapazität verursacht Kosten, die über den Leistungspreis auf die Nutzer umgelegt werden.
Das Prinzip ist vergleichbar mit einer Autobahn: Sie wird für das Verkehrsaufkommen zu Stoßzeiten gebaut, nicht für den Durchschnittsverkehr. Wer diese Kapazität nutzt oder potenziell nutzen könnte, beteiligt sich an den Infrastrukturkosten. Für Industrieunternehmen bedeutet das konkret: Selbst wenn eine hohe Leistungsabnahme nur wenige Minuten im Monat auftritt, fließt sie in die Berechnung des Leistungspreises ein.
Dieser Mechanismus schafft einen starken wirtschaftlichen Anreiz für aktives Lastmanagement, auch Demand Response genannt. Unternehmen, die ihre Lastspitzen kontrollieren, zahlen weniger, weil sie weniger Netzkapazität in Anspruch nehmen.
Wie wird die abrechnungsrelevante Leistungsspitze gemessen?
Die abrechnungsrelevante Leistungsspitze wird typischerweise als höchster 15-Minuten-Mittelwert der Wirkleistungsabnahme innerhalb eines Abrechnungszeitraums erfasst. Ein geeichter Zähler am Netzanschlusspunkt misst kontinuierlich die bezogene Leistung. Der höchste dieser Viertelstundenmittelwerte gilt als Jahresleistungsmaximum und bestimmt den Leistungspreisanteil der Netzentgeltrechnung.
Die Messung erfolgt durch den Messstellenbetreiber, der im Auftrag des Verteilnetzbetreibers handelt. Das Messkonzept legt dabei fest, wie die Leistung im Kundennetz gemessen und abgerechnet wird. Bei Anlagen mit Speichertechnologien hinter dem Kundenzähler, dem sogenannten Behind-the-Meter-Ansatz, wird der Eigenverbrauch und die Netzabnahme über separate Mess- und Marktlokationen sauber voneinander getrennt.
Für Unternehmen ist es wichtig zu verstehen, dass nicht der momentane Spitzenwert zählt, sondern der gemittelte Viertelstundenwert. Ein kurzer, sehr hoher Leistungsbezug von wenigen Sekunden schlägt weniger stark zu Buche als eine anhaltend hohe Last über mehrere Minuten. Dennoch können auch kurze Anlaufspitzen, wenn sie häufig auftreten, den Viertelstundenmittelwert spürbar anheben.
Wie hoch ist der Leistungspreisanteil an der Stromrechnung eines Industriebetriebs?
Der Leistungspreisanteil an der Gesamtstromrechnung variiert je nach Branche, Standort und Lastprofil erheblich. Bei energieintensiven Industriebetrieben mit unregelmäßigem Verbrauch kann der leistungsbasierte Netzentgeltanteil typischerweise zwischen 20 und 40 Prozent der gesamten Netzentgeltkosten ausmachen, in Einzelfällen auch mehr.
Entscheidend ist das Verhältnis zwischen der gemessenen Spitzenlast und dem durchschnittlichen Verbrauch, die sogenannte Benutzungsstundenzahl. Unternehmen mit einem sehr ungleichmäßigen Lastprofil, also solche, die kurzfristig viel Leistung benötigen, aber im Schnitt wenig verbrauchen, zahlen proportional mehr über den Leistungspreis. Produktionsbetriebe mit Schichtbetrieb, Anfahrprozessen oder energieintensiver Kühlung gehören typischerweise zu dieser Gruppe.
Eine genaue Analyse des eigenen Lastprofils ist daher der erste Schritt, um das Einsparpotenzial durch Peak Shaving zu quantifizieren. Dabei wird nicht nur die absolute Höhe der Spitzenlast betrachtet, sondern auch die Häufigkeit und Dauer dieser Spitzen im Jahresverlauf.
Was verursacht unkontrollierte Lastspitzen in der Produktion?
Unkontrollierte Lastspitzen entstehen in der Produktion vor allem durch das gleichzeitige Anlaufen mehrerer Maschinen, Verdichter oder Kühlaggregate, durch Anlaufströme von Elektromotoren sowie durch unkoordinierte Schichtwechsel. Jeder dieser Momente kann die Leistungsabnahme kurzfristig deutlich über das übliche Niveau treiben und damit den abrechnungsrelevanten Spitzenwert setzen.
Typische Auslöser im industriellen Alltag sind:
- Gleichzeitiges Einschalten mehrerer Produktionsanlagen nach einer Pause oder einem Schichtwechsel
- Anlaufströme großer Elektromotoren, die ein Vielfaches des Nennstroms betragen können
- Kältekompressoren und Klimaanlagen, die im Sommerbetrieb synchron anlaufen
- Schweißanlagen, Pressen oder andere impulsartige Verbraucher mit hohem Leistungsbedarf
- Fehlende Steuerungslogik, die Einschaltzeitpunkte zeitlich versetzt
Wie können Industrieunternehmen ihre Netzentgelte durch Lastspitzenkappung senken?
Industrieunternehmen senken ihre Netzentgelte durch Lastspitzenkappung, indem sie die maximale Leistungsabnahme aus dem Netz auf einen definierten Zielwert begrenzen. Grundsätzlich stehen dafür zwei Ansätze zur Verfügung: organisatorisches Lastmanagement und technische Maßnahmen – oder eine Kombination aus beidem.
Organisatorische Maßnahmen setzen direkt am Betriebsablauf an. Durch zeitlich versetztes Anfahren von Maschinen, angepasste Schichtplanung oder die bewusste Steuerung von Kühlaggregaten lassen sich viele Spitzen bereits ohne technischen Aufwand reduzieren. Wo diese Maßnahmen betrieblich nicht umsetzbar oder nicht ausreichend sind, kommen technische Lösungen ins Spiel.
Der Ablauf bei technischer Lastspitzenkappung folgt einem klaren Muster:
- Ein Energiemanagementsystem überwacht kontinuierlich die aktuelle Leistungsabnahme am Netzanschlusspunkt.
- Sobald sich eine Spitze ankündigt, wird die benötigte Differenzleistung aus einem lokalen Speicher bereitgestellt.
- Die Netzabnahme bleibt unterhalb des definierten Grenzwerts; der abrechnungsrelevante Messwert wird nicht überschritten.
- Am Ende des Abrechnungszeitraums wird ein niedrigeres Jahresleistungsmaximum gemessen, was direkt zu niedrigeren Netzentgeltkosten führt.
Darüber hinaus eröffnet aktives Lastmanagement weitere Einsparmöglichkeiten. Unternehmen, die ihren Verbrauch gezielt in Zeiten geringer Netzauslastung verlagern, können unter bestimmten Voraussetzungen von der sogenannten atypischen Netznutzung profitieren. Dabei gewähren Verteilnetzbetreiber Vergünstigungen auf den Leistungspreisanteil, wenn der Verbrauch außerhalb der Hochlastzeiten des lokalen Netzes liegt. Die genauen Zeitfenster und Konditionen legt der zuständige Verteilnetzbetreiber fest und sie können sich von Netzgebiet zu Netzgebiet unterscheiden.
Demand Response, also die aktive Reaktion auf Marktsignale und Netzsituationen, ergänzt diesen Ansatz. Unternehmen, die ihre Lasten flexibel steuern können, haben zudem die Möglichkeit, an Regelenergiemärkten teilzunehmen und damit zusätzliche Erlöse zu generieren.
Welche Rolle spielen Batteriespeicher bei der Netzentgeltoptimierung?
Wo organisatorische Maßnahmen an ihre Grenzen stoßen, bieten stationäre Batteriespeichersysteme eine technisch zuverlässige Ergänzung. Sie erkennen drohende Lastspitzen in Echtzeit und speisen automatisch Leistung ein, bevor der definierte Schwellenwert überschritten wird – ohne dass der Produktionsbetrieb eingeschränkt werden muss.
Moderne Batteriespeichersysteme lassen sich darüber hinaus für mehrere Anwendungsfälle gleichzeitig nutzen: neben Peak Shaving auch für die Teilnahme an Regelenergiemärkten, die Optimierung des Eigenverbrauchs aus einer PV-Anlage oder die Nutzung von Preissignalen an der Strombörse. Das verbessert die Wirtschaftlichkeit des Systems erheblich.
Unternehmen, die diesen Weg in Betracht ziehen, sollten vorab eine sorgfältige Analyse ihres Lastprofils durchführen lassen, um das tatsächliche Einsparpotenzial realistisch einschätzen zu können. Anbieter wie Bnewable spezialisieren sich auf genau diesen Einsatzbereich: die Planung, Installation und den Betrieb von Batteriespeichern für Industrieunternehmen, mit dem Ziel, Netzentgeltkosten strukturell und dauerhaft zu senken. Eine Projektanfrage ist der erste Schritt zu einer belastbaren Einschätzung des Einsparpotenzials im eigenen Betrieb.
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