Beim Anfahren eines Elektromotors zieht dieser kurzzeitig ein Vielfaches seines Nennstroms – typischerweise das Vier- bis Achtfache. Diese Anlaufstromspitze dauert meist nur wenige Sekunden, hinterlässt aber eine messbare Spur in der Leistungsabrechnung. Wer mehrere Maschinen gleichzeitig startet, potenziert diesen Effekt und zahlt am Ende des Monats deutlich mehr Netzentgelt als nötig. Dieser Artikel erklärt, warum das so ist, was es kostet und wie Sie gegensteuern können.
Wie viel Strom zieht ein Elektromotor beim Anfahren?
Ein Elektromotor zieht beim Anfahren typischerweise das Vier- bis Achtfache seines Nennstroms. Dieser sogenannte Anlaufstrom entsteht, weil der Motor im Stillstand keinen induktiven Widerstand aufbaut und das Netz daher fast ungebremst belastet. Die Spitze klingt nach wenigen Sekunden ab, sobald der Motor seine Betriebsdrehzahl erreicht.
Der Grund liegt in der Physik des Elektromotors: Im Stillstand verhält sich die Motorwicklung wie ein einfacher ohmscher Widerstand. Erst wenn der Rotor dreht, erzeugt er eine Gegenspannung, die den Stromfluss begrenzt. Bis dieser Zustand erreicht ist, fließt der volle Anlaufstrom – auch Einschaltstrom oder Anfahrstrom genannt.
Für einen 75-kW-Motor bedeutet das in der Praxis: Während der Betriebsstrom bei rund 140 Ampere liegt, kann der Anlaufstrom kurzzeitig auf über 800 Ampere ansteigen. Diese Spitze ist für die Maschine selbst unkritisch, solange sie konstruktiv berücksichtigt wurde. Für die Netzentgeltabrechnung ist sie jedoch hochrelevant, weil viele Netzbetreiber nicht den durchschnittlichen, sondern den maximalen Leistungsbezug innerhalb eines Abrechnungszeitraums berechnen.
Warum entstehen Lastspitzen beim gleichzeitigen Einschalten mehrerer Maschinen?
Wenn mehrere Maschinen gleichzeitig anlaufen, addieren sich ihre Anlaufströme. Das Ergebnis ist eine Lastspitze, die ein Vielfaches des normalen Betriebsbedarfs erreichen kann. Selbst wenn jede einzelne Maschine für sich handhabbar wäre, kann das gleichzeitige Einschalten von drei oder vier Antrieben die Leistungsspitze des gesamten Betriebs in kurzer Zeit vervielfachen.
In Produktionsbetrieben passiert das häufig zu Schichtbeginn: Mehrere Fertigungslinien, Kompressoren oder Kühlaggregate starten innerhalb weniger Minuten. Auch nach einem Stromausfall oder einem Netzausfall starten alle Maschinen nahezu gleichzeitig neu – ein Szenario, das besonders hohe Lastspitzen erzeugt.
Das Problem ist nicht die Energiemenge, sondern die Leistung. Ein Betrieb, der innerhalb von 15 Minuten kurzzeitig 500 kW abruft, aber im Schnitt nur 200 kW benötigt, zahlt trotzdem auf Basis der 500-kW-Spitze. Diese Diskrepanz zwischen tatsächlichem Bedarf und abgerechneter Spitzenleistung ist einer der größten versteckten Kostentreiber in der Industrie.
Was kostet eine Lastspitze im Netzentgelt wirklich?
Netzentgelte für gewerbliche und industrielle Abnehmer setzen sich in der Regel aus zwei Komponenten zusammen: einem arbeitsbezogenen Anteil (Cent pro kWh) und einem leistungsbezogenen Anteil (Euro pro kW). Der leistungsbezogene Anteil richtet sich nach der höchsten gemessenen Leistungsspitze innerhalb des Abrechnungszeitraums, typischerweise dem Jahresmaximum oder dem Mittelwert der höchsten monatlichen Spitzen.
In der Praxis bedeutet das: Eine einzige Lastspitze, die durch gleichzeitiges Maschinenanlaufen entsteht und nur wenige Minuten dauert, kann die Netzentgeltrechnung für das gesamte Jahr erhöhen. Je nach Netzbetreiber und Netzebene liegen die leistungsbezogenen Entgelte im Bereich von mehreren Euro pro kW und Monat. Bei einer vermeidbaren Spitze von 100 kW können sich die Mehrkosten über ein Jahr auf einen fünfstelligen Betrag summieren.
Hinzu kommt, dass viele Unternehmen diese Kostenstruktur nicht vollständig durchdringen. Die Lastspitze erscheint auf der Abrechnung als technische Kennzahl, ihr wirtschaftlicher Hebel bleibt oft unsichtbar. Wer seine Netzentgeltrechnung analysiert und den leistungsbezogenen Anteil isoliert betrachtet, erkennt häufig erhebliches Einsparpotenzial.
Welche technischen Maßnahmen reduzieren den Anlaufstrom von Motoren?
Es gibt mehrere bewährte technische Ansätze, um den Anlaufstrom von Elektromotoren zu begrenzen. Die wichtigsten sind Sanftanlasser, Frequenzumrichter und die Stern-Dreieck-Schaltung. Jede Methode greift anders in den Anlaufprozess ein und hat unterschiedliche Vor- und Nachteile.
Sanftanlasser und Frequenzumrichter
Ein Sanftanlasser (englisch: soft starter) begrenzt die Spannung beim Anlaufen schrittweise, sodass der Motor langsam hochfährt und der Anlaufstrom deutlich reduziert wird. Frequenzumrichter (auch Umrichter oder VFD, Variable Frequency Drive) gehen noch weiter: Sie regeln Spannung und Frequenz kontinuierlich und ermöglichen einen nahezu stufenlosen Anlauf. Das reduziert den Anlaufstrom auf ein Minimum und verbessert zusätzlich die Energieeffizienz im Betrieb.
Stern-Dreieck-Schaltung und zeitversetzter Start
Die klassische Stern-Dreieck-Schaltung schaltet den Motor zunächst in der Sternkonfiguration an, was die Spannung an den Wicklungen reduziert, und wechselt dann in den Dreieckbetrieb. Das senkt den Anlaufstrom auf etwa ein Drittel des normalen Wertes, erzeugt aber beim Umschalten einen kurzen Stromstoß. Ergänzend dazu lässt sich durch einen zeitversetzten Start mehrerer Maschinen die Gleichzeitigkeit der Anlaufströme vermeiden, ohne in die Motorsteuerung einzugreifen. Diese organisatorische Maßnahme ist oft die einfachste und kostengünstigste erste Stufe.
Wie kann ein Batteriespeicher Lastspitzen durch Maschinenanlauf kappen?
Ein Batteriespeicher kann Lastspitzen kappen, indem er in dem Moment, in dem der Anlaufstrom ansteigt, Energie aus dem Speicher einspeist und so den Netzbezug begrenzt. Der Speicher übernimmt die Differenz zwischen dem momentanen Bedarf und einem definierten Leistungsgrenzwert. Das Netz sieht eine geglättete Leistungskurve, die Lastspitze bleibt unsichtbar.
Technisch funktioniert das über eine Echtzeit-Steuerung, die den Leistungsbezug am Netzanschlusspunkt kontinuierlich überwacht. Sobald der Bezug einen festgelegten Schwellenwert überschreitet, reagiert der Speicher innerhalb von Millisekunden. Diese Reaktionsgeschwindigkeit ist wichtig, weil Anlaufströme sehr kurz, aber sehr steil sind.
Der wirtschaftliche Vorteil liegt darin, dass die Lastspitzenkappung keine Änderungen an der Produktion oder an den Maschinen erfordert. Schichtpläne, Anlaufsequenzen und Maschinenparameter bleiben unverändert. Der Speicher arbeitet im Hintergrund und reduziert die abgerechnete Leistungsspitze dauerhaft, was sich direkt in niedrigeren Netzentgelten niederschlägt.
Wann lohnt sich Lastspitzenkappung für einen Produktionsbetrieb?
Lastspitzenkappung lohnt sich typischerweise dann, wenn der leistungsbezogene Anteil der Netzentgelte einen relevanten Teil der Gesamtstromkosten ausmacht und wenn die gemessene Spitzenleistung deutlich über dem durchschnittlichen Leistungsbedarf liegt. Als Faustregel gilt: Je größer die Differenz zwischen Spitze und Durchschnitt, desto höher das Einsparpotenzial.
Konkrete Indikatoren, die auf ein lohnendes Potenzial hinweisen:
- Der leistungsbezogene Netzentgeltanteil macht mehr als 20 bis 30 Prozent der Netzentgeltrechnung aus
- Die gemessene Jahreshöchstlast liegt deutlich über der mittleren Betriebslast
- Lastspitzen entstehen regelmäßig zu Schichtbeginn oder bei bestimmten Produktionsabläufen
- Investitionen in Frequenzumrichter oder Sanftanlasser wurden bereits ausgeschöpft oder sind technisch nicht umsetzbar
- Das Unternehmen hat eine eigene PV-Anlage und möchte Eigenverbrauch und Lastmanagement kombinieren
Eine belastbare Einschätzung ergibt sich aus der Analyse der Lastgangdaten, die Netzbetreiber in der Regel auf Anfrage bereitstellen. Wer seinen Lastgang über zwölf Monate auswertet, erkennt Muster, Spitzenzeiten und das tatsächliche Einsparpotenzial. Auf dieser Basis lässt sich eine fundierte Entscheidung treffen, ob und in welcher Größe ein Batteriespeicher wirtschaftlich sinnvoll ist.
Wie Bnewable bei Lastspitzen durch Maschinenanlauf unterstützt
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- Sie tragen keine Investitionskosten und kein Betriebsrisiko, wir stellen die Anlage und betreiben sie
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