Warum ist der Strom in Deutschland teurer als in anderen EU-Ländern?

Strom in Deutschland gehört zu den teuersten in der gesamten Europäischen Union. Der Grund dafür liegt nicht im Strommarkt selbst, sondern in der Kostenstruktur drum herum: Steuern, Abgaben und Netzentgelte machen in Deutschland einen besonders hohen Anteil am Endpreis aus. Für Industrieunternehmen bedeutet das konkret: Ein erheblicher Teil der Energierechnung ist regulatorisch bedingt und damit nur schwer direkt zu beeinflussen.

Hohe Energiekosten fressen Margen, die Sie anderswo nicht zurückgewinnen

Wenn der Strompreis steigt, trifft das energieintensive Betriebe doppelt hart: Die Produktionskosten steigen, während der Wettbewerbsdruck aus Ländern mit günstigeren Energiepreisen zunimmt. Unternehmen, die ihren Verbrauch nicht aktiv steuern, zahlen nicht nur mehr für jede verbrauchte Kilowattstunde, sondern auch für Lastspitzen, die im ungünstigsten Moment entstehen. Der erste Schritt zur Kostensenkung ist, zu verstehen, woraus der Preis überhaupt besteht.

Wer den Strompreis nicht versteht, kann ihn auch nicht senken

Viele Energiemanager und CFOs wissen, dass ihr Strom teuer ist, aber nicht genau, warum. Ohne dieses Wissen greifen Sparmaßnahmen oft an der falschen Stelle. Wer zum Beispiel nur auf den Börsenstrompreis schaut, übersieht, dass Netzentgelte und staatliche Umlagen in Deutschland teils mehr ausmachen als der eigentliche Energieanteil. Wer die Preisstruktur kennt, kann gezielt ansetzen: bei der Laststeuerung, bei der Eigenerzeugung oder bei der Marktintegration.

Warum ist Strom in Deutschland so teuer?

Strom in Deutschland ist so teuer, weil der Endpreis aus mehreren Kostenblöcken besteht: dem eigentlichen Börsenstrompreis, den Netzentgelten, Steuern und staatlichen Abgaben. Letztere machen in Deutschland einen besonders hohen Anteil aus. Die Energiewende wird über diese Abgaben mitfinanziert, was den Preis strukturell nach oben treibt.

Deutschland hat sich für einen ambitionierten Umbau des Energiesystems entschieden: weg von fossilen Brennstoffen, hin zu erneuerbaren Energien. Dieser Umbau kostet Geld, das zu einem erheblichen Teil über den Strompreis refinanziert wird. Dazu kommen Investitionen in die Netzinfrastruktur, die notwendig sind, um die fluktuierende Erzeugung aus Wind und Solar zu integrieren.

Hinzu kommt, dass Deutschland historisch auf ein dichtes und gut ausgebautes Stromnetz setzt. Die Betriebskosten und Investitionen in dieses Netz werden über Netzentgelte auf die Verbraucher umgelegt. Je mehr Kapazität vorgehalten werden muss, desto höher fallen diese Entgelte aus.

Wie setzt sich der Strompreis in Deutschland zusammen?

Der Strompreis in Deutschland setzt sich aus drei Hauptkomponenten zusammen: dem Energieanteil (Börsenstrompreis plus Handelsmarge), den Netzentgelten und den staatlichen Abgaben wie Stromsteuer, Konzessionsabgabe und weiteren Umlagen. Für Industriekunden variiert die genaue Zusammensetzung je nach Abnahmemenge und Netzanschlussebene.

Der Energieanteil spiegelt den Marktpreis für Strom wider und wird an der Strombörse gehandelt. Dieser Teil ist grundsätzlich wettbewerblich und kann durch Beschaffungsstrategien beeinflusst werden. Größere Industriekunden haben hier mehr Spielraum als kleinere Verbraucher.

Die Netzentgelte decken die Kosten für Transport und Verteilung von Strom vom Erzeuger zum Verbraucher ab. Unternehmen, die direkt am Mittelspannungsnetz angeschlossen sind, zahlen in der Regel niedrigere Netzentgelte als Betriebe, die über das Niederspannungsnetz versorgt werden. Der Grund liegt in der Physik: Im Mittelspannungsnetz lässt sich dieselbe Energiemenge mit deutlich geringeren Strömen transportieren, was den Netzbetrieb effizienter macht.

Staatliche Abgaben und Steuern sind der dritte Block. Dazu zählen unter anderem die Stromsteuer, die Konzessionsabgabe sowie Umlagen, die politisch festgelegt werden. Für viele Industriekunden gibt es hier Entlastungsmöglichkeiten, etwa über Ausnahmeregelungen für stromintensive Unternehmen.

Wie schneidet Deutschland im EU-Strompreisvergleich ab?

Deutschland gehört im EU-Strompreisvergleich regelmäßig zu den Ländern mit den höchsten Preisen für gewerbliche und industrielle Abnehmer. Der Abstand zu Ländern wie Frankreich, Norwegen oder Polen ist erheblich und erklärt sich vor allem durch die hohe Abgabenlast und die Netzkosten.

Frankreich profitiert von einem hohen Anteil an Kernenergie, die vergleichsweise günstig und planbar produziert wird. Nordische Länder wie Norwegen nutzen Wasserkraft als kostengünstige Grundlastquelle. Polen setzt noch stark auf Kohle, was trotz aller ökologischen Nachteile kurzfristig niedrigere Erzeugerkosten bedeutet.

Deutschland hingegen finanziert den Aufbau einer neuen Energieinfrastruktur aktiv über den Strompreis. Das macht den Strom teurer als in Ländern, die diesen Umbau weniger konsequent oder noch gar nicht begonnen haben. Für international aufgestellte Industrieunternehmen ist dieser Preisunterschied ein relevanter Wettbewerbsfaktor.

Welche Rolle spielen Netzentgelte und staatliche Abgaben?

Netzentgelte und staatliche Abgaben machen in Deutschland zusammen typischerweise mehr als die Hälfte des Endstrompreises für industrielle Abnehmer aus. Sie sind regulatorisch festgelegt und können vom einzelnen Unternehmen nicht direkt verhandelt werden, lassen sich aber durch strukturelle Maßnahmen teilweise reduzieren.

Was sind Netzentgelte genau?

Netzentgelte sind die Kosten, die Verteilnetzbetreiber und Übertragungsnetzbetreiber für die Nutzung ihrer Infrastruktur erheben. Der Verteilnetzbetreiber ist dabei die zentrale Instanz: Er entscheidet, mit welcher Leistung ein Unternehmen ans Netz angeschlossen wird, und stellt sicher, dass der Netzbetrieb stabil bleibt. Die Höhe der Netzentgelte hängt unter anderem von der Netzanschlussebene, dem Lastprofil und dem regionalen Netzbetreiber ab.

Unternehmen mit einem gleichmäßigen Lastprofil zahlen in der Regel niedrigere Netzentgelte als solche mit starken Lastspitzen. Das liegt daran, dass Lastspitzen das Netz belasten und Kapazitäten erfordern, die vorgehalten werden müssen. Wer seine Spitzenlast reduziert, kann die Netzentgelte spürbar senken.

Welche staatlichen Abgaben fallen an?

Zu den wichtigsten staatlichen Abgaben zählen die Stromsteuer (derzeit 2,05 Cent pro Kilowattstunde für die meisten Verbraucher, Stand: 2024) sowie die Konzessionsabgabe, die an Gemeinden für die Nutzung öffentlicher Wege fließt. Hinzu kommen weitere Umlagen, deren Höhe regelmäßig angepasst wird. Für bestimmte energieintensive Unternehmen gibt es gesetzliche Entlastungsmöglichkeiten, die jedoch an strenge Voraussetzungen geknüpft sind.

Wann könnten die Strompreise in Deutschland sinken?

Eine deutliche und dauerhafte Senkung der Strompreise in Deutschland ist kurzfristig nicht zu erwarten. Mittelfristig könnten sinkende Börsenstrompreise durch mehr erneuerbare Erzeugungskapazität und ein reformiertes Abgabensystem zu Entlastungen führen. Der Zeitpunkt ist jedoch politisch und marktabhängig.

Der Ausbau von Wind- und Solarenergie erhöht das Angebot an günstigem Strom, besonders zu Zeiten hoher Erzeugung. Das drückt den Börsenstrompreis. Gleichzeitig steigen die Netzkosten weiter, weil die Integration dieser fluktuierenden Quellen erhebliche Investitionen in Netzausbau und Speicherkapazitäten erfordert.

Politische Reformen könnten die Abgabenlast reduzieren, sind aber von Haushaltsentscheidungen und regulatorischen Prozessen abhängig. Industrieunternehmen sollten deshalb nicht auf sinkende Preise warten, sondern aktiv Maßnahmen ergreifen, um ihre Energiekosten unabhängig vom Preisniveau zu senken.

Wie können Industrieunternehmen ihre Stromkosten trotzdem senken?

Industrieunternehmen können ihre Stromkosten senken, indem sie Lastspitzen reduzieren, den Eigenverbrauch aus erneuerbaren Quellen erhöhen und an Energiemärkten partizipieren. Diese Maßnahmen wirken unabhängig vom allgemeinen Preisniveau und lassen sich durch den Einsatz von Batteriespeichern systematisch umsetzen.

Die Reduzierung von Lastspitzen ist eine der wirkungsvollsten Stellschrauben. Hohe Leistungsspitzen treiben nicht nur die Netzentgelte in die Höhe, sondern können auch die Kapazitätskomponente im Stromtarif erhöhen. Wer seinen Bezug intelligent steuert und Spitzenlasten kappt, spart direkt und messbar.

Wer eine Photovoltaikanlage betreibt, kann mithilfe eines Batteriespeichers den selbst erzeugten Strom gezielt dann nutzen, wenn er am wertvollsten ist. Das reduziert den Netzbezug und damit die Energiekosten. Zusätzlich können Batteriespeicher an Regelenergiemärkten teilnehmen und so Erlöse generieren, die die Gesamtkosten weiter senken.

Wie Bnewable bei hohen Strompreisen in Deutschland unterstützt

Wir arbeiten mit Industrieunternehmen zusammen, die ihre Energiekosten strukturell senken wollen, ohne dafür eigenes Kapital zu binden oder internes Personal aufzubauen. Als Anbieter von industriellen Batteriespeicherlösungen übernehmen wir die gesamte Wertschöpfungskette: von der Planung über Genehmigung und Bau bis zum laufenden Betrieb direkt an Ihrem Standort.

  • Lastspitzenkappung: Wir reduzieren Ihre Leistungsspitzen gezielt, was Netzentgelte und Kapazitätskosten senkt.
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