Ab welchem Stromverbrauch lohnt sich ein Mittelspannungsanschluss?

Ein Mittelspannungsanschluss lohnt sich typischerweise ab einem jährlichen Stromverbrauch von etwa 1 bis 2 Millionen Kilowattstunden (kWh) oder einer Anschlussleistung von mehr als 100 Kilowatt (kW). Unterhalb dieser Schwelle überwiegen häufig die Investitions- und Betriebskosten den Nutzen durch niedrigere Netzentgelte. Entscheidend ist jedoch nicht allein der Gesamtverbrauch, sondern vor allem das Lastprofil des Unternehmens. Die folgenden Abschnitte beleuchten die wichtigsten Fragen rund um Kosten, Netzentgelte, Alternativen und den konkreten Ablauf eines Wechsels.

Welche Schwellenwerte entscheiden über den Wechsel zur Mittelspannung?

Der Wechsel zur Mittelspannung wird typischerweise ab einer Anschlussleistung von 100 kW oder einem Jahresverbrauch von rund 1 bis 2 Millionen kWh wirtschaftlich sinnvoll. Netzbetreiber bieten Mittelspannungsanschlüsse in der Regel ab diesen Größenordnungen an. Ausschlaggebend ist jedoch weniger ein einzelner Schwellenwert als die Kombination aus Verbrauchsmenge, Lastprofil und Nutzungsdauer.

Für eine fundierte Entscheidung ist eine Lastgang-Analyse das wichtigste Werkzeug. Der Lastgang zeigt den Stromverbrauch eines Unternehmens in zeitlicher Auflösung, typischerweise in 15-Minuten-Intervallen. Aus dieser Analyse lassen sich Spitzenlast, Grundlast und Gleichzeitigkeitsfaktor ableiten. Unternehmen mit hoher Grundlast und wenigen Lastspitzen profitieren stärker von einem Mittelspannungsanschluss als solche mit stark schwankendem Verbrauch.

Folgende Faktoren spielen bei der Schwellenwertbeurteilung eine Rolle:

  • Anschlussleistung: Ab ca. 100 kW wird ein Mittelspannungsanschluss technisch möglich und wirtschaftlich prüfenswert.
  • Jahresverbrauch: Typisch sind 1 bis 2 Millionen kWh als Orientierungsgröße, abhängig vom Netzbetreiber und der Region.
  • Benutzungsstunden: Je mehr Stunden pro Jahr die Anlage unter Last betrieben wird, desto attraktiver werden die niedrigeren Netzentgelte der Mittelspannung.
  • Lastprofil: Ein gleichmäßiger Lastgang verbessert die Wirtschaftlichkeit erheblich.

Was kostet ein Mittelspannungsanschluss im Vergleich zur Niederspannung?

Ein Mittelspannungsanschluss verursacht deutlich höhere Anfangsinvestitionen als ein Niederspannungsanschluss. Die Kosten für die erforderliche Transformatorstation und den Netzanschluss liegen je nach Standort und Leistungsbedarf typischerweise im Bereich von 50.000 bis 300.000 Euro oder mehr. Hinzu kommen laufende Kosten für Wartung und Betrieb der eigenen Übergabestation.

Beim Niederspannungsanschluss übernimmt der Netzbetreiber die Infrastruktur bis zum Hausanschluss. Der Kunde trägt keine Investitionskosten für Transformatoren oder Schaltanlagen. Dafür sind die Netzentgelte pro Kilowattstunde und pro Kilowatt Leistung deutlich höher.

Die Gegenüberstellung im Überblick:

  • Niederspannung: Keine Investitionskosten für Infrastruktur, aber höhere laufende Netzentgelte.
  • Mittelspannung: Hohe Anfangsinvestition für Transformatorstation und Übergabestation, dafür spürbar niedrigere Netzentgelte pro kWh und kW.
  • Amortisation: Je nach Verbrauchsniveau und Netzentgelten vor Ort liegt die Amortisationsdauer der Mehrkosten häufig zwischen fünf und zehn Jahren.

Eine Lastgang-Analyse hilft dabei, die genauen Einsparpotenziale bei den Netzentgelten zu berechnen und den Amortisationszeitraum realistisch einzuschätzen.

Wie unterscheiden sich Netzentgelte bei Mittel- und Niederspannung?

Netzentgelte in der Mittelspannung sind strukturell günstiger als in der Niederspannung, weil der Netzbetreiber weniger Infrastruktur bereitstellen muss. Typischerweise liegen die Netzentgelte in der Mittelspannung um 30 bis 50 Prozent unter denen der Niederspannung, wobei die konkreten Werte je nach Region und Netzbetreiber stark variieren.

Netzentgelte setzen sich aus zwei Komponenten zusammen:

  • Leistungspreis (Euro pro kW und Jahr): Dieser Anteil wird auf die gemessene Jahreshöchstlast berechnet. Wer hohe Lastspitzen hat, zahlt hier überproportional viel.
  • Arbeitspreis (Cent pro kWh): Dieser Anteil wird auf die tatsächlich bezogene Strommenge erhoben.

In der Mittelspannung ist der Leistungspreis relativ zum Arbeitspreis stärker gewichtet. Das bedeutet: Unternehmen, die ihren Lastgang glätten und Spitzen vermeiden, profitieren überproportional. Eine detaillierte Lastgang-Analyse zeigt, wie hoch die tatsächliche Spitzenlast im Messzeitraum war und wo konkretes Einsparpotenzial liegt.

Wann lohnt sich Mittelspannung trotz niedrigem Verbrauch?

Ein Mittelspannungsanschluss kann sich auch bei vergleichsweise geringem Jahresverbrauch lohnen, wenn das Unternehmen sehr hohe Lastspitzen aufweist oder in Zukunft stark wachsen will. Auch Standorte mit bestehender Netzinfrastruktur in der Nähe oder Unternehmen, die vor Ort einen Netzbetreiber mit besonders günstigen Mittelspannungstarifen haben, können früher in die Wirtschaftlichkeit kommen.

Weitere Szenarien, in denen Mittelspannung trotz niedrigem Basisverbrauch sinnvoll sein kann:

  • Geplante Erweiterungen: Wenn eine Produktionserweiterung oder der Aufbau einer Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge den Leistungsbedarf in absehbarer Zeit deutlich erhöhen wird.
  • Eigenstromerzeugung: Unternehmen mit größeren Photovoltaik-Anlagen, die Strom ins Netz einspeisen, können von der Mittelspannungsebene profitieren.
  • Standortentwicklung: Gewerbeparks oder Industriestandorte, die mehrere Abnehmer über eine gemeinsame Station versorgen, teilen die Investitionskosten.

Kann ein Batteriespeicher den Mittelspannungsanschluss ersetzen oder verzögern?

Ein Batteriespeicher kann in vielen Fällen den Wechsel zur Mittelspannung verzögern oder wirtschaftlich unnötig machen. Er reduziert die gemessene Lastspitze und damit den Leistungspreis in der Niederspannung erheblich. Für Unternehmen, die primär wegen hoher Spitzenlast über Mittelspannung nachdenken, ist ein Speicher häufig die wirtschaftlichere Alternative.

Die Logik dahinter: Wenn ein Unternehmen nur kurzzeitig hohe Leistung benötigt, aber ansonsten moderat verbraucht, kann ein Batteriespeicher diese Spitzen kappen. Damit sinkt der Leistungspreis in der Niederspannung deutlich, und der wirtschaftliche Vorteil des Mittelspannungsanschlusses schrumpft.

Ein Batteriespeicher ist kein vollständiger Ersatz, wenn:

  • Der Gesamtverbrauch dauerhaft über 2 Millionen kWh pro Jahr liegt und weiter wächst.
  • Die Anschlussleistung aus technischen Gründen erhöht werden muss, etwa für neue Produktionsanlagen.
  • Der Netzbetreiber den Niederspannungsanschluss aus Kapazitätsgründen nicht weiter ausbauen kann.

In vielen Fällen empfiehlt sich eine kombinierte Betrachtung: Lastgang-Analyse durchführen, Spitzenlastreduzierung durch Speicher berechnen und dann prüfen, ob ein Mittelspannungsanschluss noch notwendig ist.

Welche Schritte sind für den Wechsel zur Mittelspannung notwendig?

Der Wechsel zur Mittelspannung folgt einem klar strukturierten Prozess, der typischerweise zwischen einem und drei Jahren in Anspruch nimmt. Der erste Schritt ist immer die technische und wirtschaftliche Analyse des aktuellen Lastgangs und der Netzanschlusssituation.

Die wesentlichen Schritte im Überblick:

  1. Lastgang-Analyse: Auswertung des bisherigen Verbrauchsprofils in 15-Minuten-Auflösung, um Spitzenlast, Grundlast und Benutzungsstunden zu bestimmen.
  2. Wirtschaftlichkeitsrechnung: Vergleich der Netzentgelte in Nieder- und Mittelspannung unter Berücksichtigung der Investitionskosten für die Übergabestation.
  3. Anfrage beim Netzbetreiber: Einholung eines Netzanschlussangebots gemäß den Vorgaben der Niederspannungsanschlussverordnung (NAV) beziehungsweise der Niederdruckanschlussverordnung (NDAV). Bitte beachten Sie, dass sich regulatorische Rahmenbedingungen ändern können.
  4. Planung und Genehmigung: Beauftragung eines Elektroplanungsbüros für die Übergabestation, Einholung behördlicher Genehmigungen.
  5. Bau der Übergabestation: Errichtung der Transformatorstation auf dem Betriebsgelände oder in unmittelbarer Nähe.
  6. Inbetriebnahme und Messung: Abnahme durch den Netzbetreiber, Installation der Leistungsmessung und Aufschaltung auf den neuen Tarif.

Parallel zu diesen Schritten lohnt es sich, die Möglichkeit einer Spitzenlastreduzierung durch einen Batteriespeicher zu prüfen. Das kann die Wirtschaftlichkeitsrechnung für den Mittelspannungsanschluss erheblich verändern.

Wie Bnewable bei der Entscheidung über den Mittelspannungsanschluss unterstützt

Die Frage, ob ein Mittelspannungsanschluss wirtschaftlich sinnvoll ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Sie hängt vom individuellen Lastprofil, den lokalen Netzentgelten und den geplanten Investitionen ab. Genau hier setzen wir an.

Als Anbieter von industriellen Batteriespeicherlösungen helfen wir Ihnen, die richtige Entscheidung auf Basis Ihrer tatsächlichen Verbrauchsdaten zu treffen:

  • Lastgang-Analyse: Wir werten Ihren Lastgang aus und zeigen, wie hoch Ihre gemessene Spitzenlast tatsächlich ist und wo Einsparpotenzial liegt.
  • Wirtschaftlichkeitsvergleich: Wir berechnen, ob ein Batteriespeicher zur Spitzenlastreduzierung in der Niederspannung wirtschaftlich attraktiver ist als ein Wechsel zur Mittelspannung.
  • Integrierte Lösung ohne Investitionsrisiko: Unsere Batteriespeicherlösungen werden ohne Kapitalaufwand Ihrerseits geplant, gebaut und betrieben. Sie tragen kein technisches oder finanzielles Risiko.
  • Steuerung durch Voltana: Unsere proprietäre Software optimiert den Speichereinsatz kontinuierlich, reduziert Lastspitzen zuverlässig und maximiert die Nutzung selbst erzeugten Solarstroms.

Wenn Sie prüfen möchten, ob ein Batteriespeicher den Mittelspannungsanschluss für Ihr Unternehmen ersetzen oder verzögern kann, freuen wir uns auf ein Beratungsgespräch.

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