Wie verdient ein Batteriespeicher Geld wenn er nicht für Peak Shaving genutzt wird?

Industrieunternehmen, die ihren Energiebezug optimieren wollen, stoßen früher oder später auf eine zentrale Frage: Wie lässt sich Strom kosteneffizienter nutzen, ohne den Betrieb zu beeinträchtigen? Netzentgelte, volatile Strompreise und der wachsende Anteil erneuerbarer Energien machen die Antwort zunehmend komplex. Dieser Artikel erklärt, welche Mechanismen zur Kostenreduktion und Erlösgenerierung im industriellen Kontext zur Verfügung stehen – und wie sie zusammenwirken.

Peak Shaving: Netzentgelte durch Leistungskappung senken

Ein wesentlicher Kostentreiber im industriellen Strombezug sind die Netzentgelte, die sich häufig am Leistungshöchstwert eines Jahres orientieren. Kurze, intensive Lastspitzen – etwa beim gleichzeitigen Anlaufen mehrerer Maschinen – können den gesamten Jahresleistungspreis in die Höhe treiben, obwohl sie nur wenige Minuten andauern. Dieses Prinzip wird als Leistungspreiskomponente bezeichnet und ist in vielen Netzentgeltstrukturen in Deutschland verankert.

Peak Shaving bezeichnet die gezielte Kappung dieser Lastspitzen. Dabei wird in Spitzenlastphasen zusätzliche Energie bereitgestellt, um den Netzbezug unter einem definierten Schwellenwert zu halten. Die Einsparungen sind direkt messbar und wirken sich unmittelbar auf die Jahresabrechnung aus. Für Betriebe mit stark schwankenden Lastprofilen kann allein diese Maßnahme erhebliche Kostensenkungen bewirken.

Regelenergie: Vergütung für Netzstabilisierung

Das Stromnetz muss zu jedem Zeitpunkt im Gleichgewicht sein – Erzeugung und Verbrauch müssen übereinstimmen. Da erneuerbare Energien wetterabhängig produzieren und der Verbrauch schwankt, benötigen Netzbetreiber Akteure, die kurzfristig Leistung bereitstellen oder aufnehmen können. Diese Dienstleistung wird als Regelenergie bezeichnet.

Es gibt verschiedene Produkte auf dem Regelenergiemarkt. Die Primärregelreserve (FCR, Frequency Containment Reserve) wird innerhalb von Sekunden aktiviert und eignet sich besonders für Anlagen mit kurzen Reaktionszeiten. Die Sekundärregelreserve (aFRR) und die Minutenreserve (mFRR) werden über längere Zeiträume aktiviert und stellen andere Anforderungen an die verfügbare Kapazität.

Anbieter von Regelenergie erhalten eine Vergütung, die sich aus einem Leistungspreis – der unabhängig vom tatsächlichen Abruf gezahlt wird – und gegebenenfalls einem Arbeitspreis zusammensetzt. Für die Teilnahme ist eine Präqualifikation erforderlich: Die Anlage muss nachweisen, dass sie Mindestleistungen, Reaktionszeiten und Kommunikationsanforderungen des Netzbetreibers erfüllt. Die Präqualifikation ist einmalig und ermöglicht eine dauerhafte Marktteilnahme.

Strompreisarbitrage: Preisschwankungen systematisch nutzen

An der Strombörse (EPEX SPOT) schwanken die Day-Ahead- und Intraday-Preise täglich erheblich. In Phasen mit hoher erneuerbarer Einspeisung – etwa an sonnigen oder windreichen Tagen – fallen die Preise oft stark, manchmal sogar in den negativen Bereich. Zu Spitzenlastzeiten hingegen können die Preise deutlich ansteigen.

Strompreisarbitrage bezeichnet die Strategie, Energie zu günstigen Zeiten zu beziehen und in Hochpreisphasen einzusetzen oder zurückzuspeisen. Für Industrieunternehmen mit eigenem Netzanschluss bedeutet das konkret: Wer in Schwachlastphasen günstigen Strom bezieht und in Spitzenlastzeiten auf gespeicherte Energie zurückgreift, reduziert seinen teuren Netzbezug direkt. Die wirtschaftliche Attraktivität dieser Strategie hängt von der Spreizung zwischen Tief- und Hochpreisphasen ab – und davon, wie präzise die Lade- und Entladezeitpunkte gesteuert werden.

PV-Eigenverbrauchsoptimierung: Mehr aus selbst erzeugtem Strom herausholen

Für Unternehmen mit eigener Photovoltaikanlage stellt sich eine weitere Frage: Wie viel des selbst erzeugten Stroms wird tatsächlich im Betrieb genutzt? Überschüssiger Solarstrom, der ins Netz eingespeist wird, wird mit der gesetzlichen Einspeisevergütung vergütet – die in der Regel deutlich unter dem Strombezugspreis liegt. Selbst genutzter Solarstrom hingegen ersetzt teuren Netzbezug inklusive Netzentgelte, Steuern und Abgaben.

Der Eigenverbrauchsanteil lässt sich erhöhen, indem überschüssige Solarenergie zwischengespeichert und dann abgegeben wird, wenn die PV-Anlage nicht oder weniger produziert. Besonders wirkungsvoll ist dabei eine vorausschauende Steuerung auf Basis von Wetterprognosedaten: Wenn für den nächsten Tag hohe Solarerträge erwartet werden, kann der Speicher bereits heute entsprechend vorbereitet werden, um morgen mehr Kapazität für PV-Überschüsse bereitzuhalten.

Können mehrere Strategien gleichzeitig umgesetzt werden?

Ja – und genau hier liegt ein häufig unterschätztes Potenzial. Peak Shaving, Regelenergie, Arbitrage und PV-Eigenverbrauchsoptimierung schließen sich nicht gegenseitig aus. Sie haben unterschiedliche Zeitprofile: Lastspitzen treten zu bestimmten Tageszeiten auf, Regelenergie wird rund um die Uhr bereitgestellt, PV-Überschüsse entstehen tagsüber, und Arbitragechancen ergeben sich aus den täglichen Börsenkurven.

Die Herausforderung liegt in der Koordination dieser Anforderungen. Wenn ein Teil der Kapazität für Regelenergie vorgehalten werden muss, darf gleichzeitig die Fähigkeit zur Lastspitzenkappung nicht verloren gehen. Eine zuverlässige Mehrfachnutzung erfordert daher eine Steuerungslogik, die Lastprognosen, Marktdaten und den aktuellen Energiezustand kontinuierlich abgleicht und Prioritäten in Echtzeit setzt. Ohne diese Koordination bleibt ein Großteil des wirtschaftlichen Potenzials ungenutzt.

Wann lohnt sich eine Kombination dieser Strategien?

Die Wirtschaftlichkeit hängt von mehreren Faktoren ab: dem Lastprofil des Betriebs, der lokalen Netzentgeltstruktur, dem Vorhandensein einer PV-Anlage, dem Standort und den aktuellen Marktbedingungen für Regelenergie. Für Betriebe mit ausgeprägten Lastspitzen ist Peak Shaving häufig die dominante Erlösquelle. Für Unternehmen mit gleichmäßigerem Verbrauch und großer PV-Anlage können Eigenverbrauchsoptimierung und Arbitrage stärker in den Vordergrund treten.

Entscheidend ist, dass die verschiedenen Hebel nicht isoliert betrachtet werden. Eine Wirtschaftlichkeitsrechnung, die nur eine Strategie berücksichtigt, unterschätzt das Gesamtpotenzial in der Regel erheblich. Die Kombination mehrerer Erlösquellen kann die Amortisationszeit einer Investition deutlich verkürzen – vorausgesetzt, die Steuerung ist entsprechend ausgelegt.

Batteriespeicher als technische Grundlage für mehrere Strategien

Viele der beschriebenen Strategien lassen sich mit verschiedenen technischen Ansätzen umsetzen. Batteriespeicher haben sich dabei als besonders vielseitig erwiesen, weil sie schnell reagieren, skalierbar sind und sich für nahezu alle genannten Anwendungsfälle eignen – von der Sekundenreserve im Regelenergiemarkt bis zur stundengenauen Arbitrage.

Entscheidend ist dabei nicht allein die Hardware, sondern die Qualität der Steuerungssoftware. Ein Energiemanagementsystem (EMS), das alle relevanten Erlösquellen koordiniert, ist die Voraussetzung dafür, dass ein Speicher sein wirtschaftliches Potenzial tatsächlich ausschöpft. Ohne diese Intelligenz bleibt auch eine gut dimensionierte Anlage hinter ihren Möglichkeiten zurück.

Wer sich für diesen Ansatz interessiert und prüfen möchte, welche Kombination aus Strategien für den eigenen Standort sinnvoll ist, kann sich an spezialisierte Anbieter wenden. Bnewable etwa entwickelt, baut und betreibt industrielle Batteriespeicherlösungen als Komplettanbieter – inklusive der proprietären Steuerungssoftware Voltana, die Peak Shaving, Regelenergie, Arbitrage und PV-Eigenverbrauchsoptimierung in einer einzigen Steuerungslogik koordiniert. Eine Projektanfrage ist der erste Schritt zu einer belastbaren Einschätzung der standortspezifischen Möglichkeiten.