Wie viel kann ein Industriebetrieb durch Lastspitzenreduktion sparen?

Jessica Koeferl ·

Industriebetriebe stehen zunehmend unter Druck, ihre Energiekosten strukturell zu senken. Dabei liegt ein oft unterschätztes Einsparpotenzial nicht im reinen Verbrauch, sondern in der Art, wie Strom bezogen wird – genauer gesagt: in den Lastspitzen, die im Betriebsalltag entstehen. Dieser Artikel erklärt, wie leistungsabhängige Netzentgelte funktionieren, warum Lastspitzen so teuer sind und welche Maßnahmen helfen können.

Leistungsabhängige Netzentgelte belasten Ihre Stromrechnung stärker als der reine Verbrauch

Viele Industriebetriebe konzentrieren sich beim Thema Energiekosten senken auf den Verbrauch in Kilowattstunden. Dabei ist es oft die höchste gemessene Leistungsspitze in Kilowatt, die den größten Kostenblock verursacht. Netzentgelte werden in Deutschland für Unternehmen ab einem bestimmten Jahresverbrauch teilweise oder vollständig leistungsbasiert abgerechnet. Das bedeutet: Eine einzige Lastspitze, die vielleicht nur wenige Minuten dauert, bestimmt den Leistungspreis für den gesamten Abrechnungszeitraum. In vielen Fällen entfallen auf leistungsabhängige Netzentgelte bis zu 30 bis 50 Prozent der gesamten Stromrechnung. Wer diesen Mechanismus versteht und aktiv steuert, hat einen direkten Hebel auf seine Stromrechnung.

Unkontrollierte Lastspitzen kosten jeden Monat bares Geld – oft unbemerkt

Das Problem mit Lastspitzen ist ihre Unsichtbarkeit im Tagesgeschäft. Sie entstehen, wenn mehrere Maschinen oder Anlagen gleichzeitig anlaufen, wenn eine Produktionsschicht beginnt oder wenn energieintensive Prozesse ungeplant parallel laufen. Der finanzielle Schaden zeigt sich erst auf der Rechnung. Für energieintensive Unternehmen kann eine ungesteuerte Lastspitze von wenigen hundert Kilowatt bei einem Leistungspreis von 100 bis 150 Euro pro Kilowatt und Jahr schnell fünfstellige Mehrkosten pro Jahr bedeuten. Der erste Schritt zur Abhilfe ist eine detaillierte Analyse des eigenen Lastprofils, um zu verstehen, wann und warum diese Spitzen entstehen.

Was sind Lastspitzen und warum sind sie so teuer?

Lastspitzen sind kurzzeitige Maximalwerte der elektrischen Leistungsaufnahme eines Betriebs, gemessen in Kilowatt. Sie entstehen, wenn mehrere energieintensive Verbraucher gleichzeitig aktiv sind. Teuer werden sie, weil Netzbetreiber in Deutschland einen Teil der Netzentgelte nicht nach dem Verbrauch, sondern nach der höchsten gemessenen Leistung im Abrechnungszeitraum berechnen.

Grundlage ist das sogenannte leistungsgemessene Netzentgelt. Der Netzbetreiber misst dabei typischerweise die höchste 15-Minuten-Durchschnittsleistung innerhalb eines Jahres oder Monats. Dieser Spitzenwert wird mit einem festgelegten Leistungspreis in Euro pro Kilowatt multipliziert. Das Ergebnis ist ein fixer Kostenbetrag, der unabhängig davon anfällt, wie oft oder wie lange diese Leistung tatsächlich abgerufen wurde.

Für Unternehmen mit stark schwankenden Lastprofilen – etwa in der Metallverarbeitung, Lebensmittelproduktion oder Logistik – bedeutet das: Selbst wenn der Durchschnittsverbrauch moderat ist, kann eine einzelne ungeplante Spitze die gesamte Jahresabrechnung nach oben treiben. Genau deshalb ist die Reduktion von Lastspitzen ein so direkter Hebel, um hohe Energiekosten strukturell zu senken.

Wie viel Einsparpotenzial steckt in der Lastspitzenreduktion?

Das Einsparpotenzial durch Lastspitzenreduktion ist für viele energieintensive Unternehmen erheblich. In typischen Industriebetrieben mit leistungsgemessenen Netzentgelten lassen sich durch gezieltes Lastspitzenmanagement häufig fünf bis fünfzehn Prozent der gesamten Stromkosten einsparen, in einzelnen Fällen auch mehr.

Die konkrete Höhe hängt von mehreren Faktoren ab: dem aktuellen Leistungspreis des Netzbetreibers, der Höhe der gemessenen Spitze und dem Potenzial, diese durch technische Maßnahmen zu kappen. Unternehmen, die an das Mittelspannungsnetz angeschlossen sind, haben dabei oft höhere absolute Einsparpotenziale, weil die Leistungspreise auf dieser Ebene in der Regel höher ausfallen als im Niederspannungsnetz.

Ein Rechenbeispiel zur Einordnung: Beträgt der Leistungspreis 120 Euro pro Kilowatt und Jahr und lässt sich die gemessene Jahreshöchstlast um 100 Kilowatt reduzieren, ergibt das eine jährliche Einsparung von 12.000 Euro allein aus dem Netzentgelt. Bei größeren Betrieben mit Spitzen im Megawattbereich vervielfacht sich dieses Potenzial entsprechend. Diese Zahlen sind nicht garantiert, aber sie zeigen, in welcher Größenordnung der Hebel liegen kann.

Welche Maßnahmen helfen gegen Lastspitzen?

Grundsätzlich gibt es mehrere Ansätze, um Lastspitzen zu reduzieren. Ein erster, oft unterschätzter Schritt ist das organisatorische Lastmanagement: Produktionsprozesse, Schichtstarts und energieintensive Anläufe lassen sich zeitlich entzerren, sodass nicht alle Verbraucher gleichzeitig aktiv sind. Viele Betriebe erzielen allein durch eine bewusste Steuerung ihrer Betriebsabläufe bereits messbare Effekte.

Darüber hinaus kann eine kontinuierliche Überwachung des Lastprofils helfen, kritische Situationen frühzeitig zu erkennen. Moderne Energiemanagementsysteme liefern dafür die nötige Transparenz und ermöglichen es, auf Basis von Echtzeitdaten zu reagieren, bevor eine Spitze entsteht.

Für Betriebe mit ausgeprägten und schwer vermeidbaren Lastspitzen – etwa durch prozessbedingte Gleichzeitigkeit von Verbrauchern – stoßen rein organisatorische Maßnahmen jedoch an ihre Grenzen. In diesen Fällen kommen technische Lösungen ins Spiel, die kurzfristig Leistung bereitstellen oder aufnehmen können, um die Spitze zu begrenzen.

Wie lässt sich das individuelle Einsparpotenzial eines Betriebs ermitteln?

Das individuelle Einsparpotenzial lässt sich am zuverlässigsten auf Basis realer Lastgangdaten ermitteln. Dafür werden typischerweise die 15-Minuten-Messwerte des Stromverbrauchs über mindestens zwölf Monate analysiert, ergänzt um die aktuellen Netzentgelttarife des zuständigen Netzbetreibers.

Aus diesen Daten lässt sich berechnen, welche Lastspitzen in welcher Häufigkeit auftreten, wie hoch der aktuelle Leistungspreis ist und welches Einsparpotenzial durch gezielte Maßnahmen realistisch erreichbar wäre. Viele Betriebe unterschätzen ihr Einsparpotenzial, weil sie die Struktur ihrer Netzentgeltrechnung nicht im Detail kennen. Eine strukturierte Analyse schafft hier Klarheit und liefert die Grundlage für fundierte Entscheidungen.

Technische Lösungen: Peak Shaving und Batteriespeicher

Wo organisatorische Maßnahmen nicht ausreichen, hat sich das sogenannte Peak Shaving als technischer Ansatz etabliert. Dabei wird die aus dem Netz bezogene Leistung aktiv begrenzt, indem bei drohender Überschreitung eines definierten Schwellenwerts kurzfristig lokale Energie bereitgestellt wird.

Batteriespeicher sind für diesen Einsatzzweck besonders geeignet, weil sie innerhalb von Millisekunden reagieren können und sich flexibel dimensionieren lassen. Eine intelligente Steuerungssoftware überwacht das Lastprofil kontinuierlich und greift automatisch ein, sobald sich eine Spitze ankündigt. Die Dimensionierung richtet sich nach dem typischen Lastprofil und der Höhe der Spitzen, die gekappt werden sollen – sowohl die benötigte Leistung in Kilowatt als auch die Kapazität in Kilowattstunden spielen dabei eine Rolle.

Neben der Lastspitzenreduktion lassen sich Batteriespeicher für weitere Zwecke nutzen: die Optimierung des Eigenverbrauchs von Photovoltaikstrom, die Nutzung von Strompreisschwankungen sowie die Teilnahme an Regelenergiemärkten, bei der Netzbetreiber Anlagen vergüten, die schnell Leistung bereitstellen oder aufnehmen können. Diese Kombination mehrerer Einsatzfelder verbessert die Wirtschaftlichkeit einer solchen Lösung erheblich.

Wie Bnewable bei der Lastspitzenreduktion unterstützt

Wer nach einer konkreten Umsetzungsmöglichkeit sucht, findet in Bnewable einen Anbieter, der sich auf industrielle Batteriespeicherlösungen spezialisiert hat. Als Komplettanbieter übernimmt Bnewable die Analyse des Lastprofils und der Netzentgeltstruktur, Planung, Genehmigung und Installation sowie den laufenden Betrieb – ohne dass Betriebe investieren oder internes Know-how aufbauen müssen.

  • Analyse des Lastprofils und der Netzentgeltstruktur zur Ermittlung des konkreten Einsparpotenzials
  • Planung, Genehmigung und Installation des Batteriespeichers direkt am Standort
  • Intelligente Steuerung über die Software Voltana, die Peak Shaving, PV-Optimierung und Regelenergie automatisch kombiniert
  • Kein Investitionsrisiko, keine Betriebsverantwortung, kein zusätzlicher Aufwand für das eigene Team
  • Ein Ansprechpartner für die gesamte Lösung, von der ersten Analyse bis zum laufenden Betrieb

Weitere Informationen zum Ansatz von Bnewable finden Sie unter Bnewable Batteriespeicher für Industrie. Wer sein konkretes Einsparpotenzial ermitteln möchte, kann direkt eine Projektanfrage stellen.

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